NSU-Verteidigerin: Gericht hat kein Interesse an der Wahrheit

München - Mit scharfen Angriffen gegen staatliche Stellen und die Richter des Münchner Oberlandesgerichts (OLG) hat am Dienstag das Plädoyer der Verteidigung für Ralf Wohlleben begonnen, einen der fünf Angeklagten im NSU-Prozess.

Ralf Wohlleben gemeinsam mit seiner Anwältin Nicole Schneiders.
Ralf Wohlleben gemeinsam mit seiner Anwältin Nicole Schneiders.  © DPA

Seine Verteidigerin Nicole Schneiders sagte, sie sei überzeugt davon, dass Wohlleben unschuldig und seit sechseinhalb Jahren ohne nachvollziehbare Gründe inhaftiert sei.

Nur deshalb, weil der NSU-Prozess ein "Politikum" sei, dauere die U-Haft an. Zeitweise habe sich Wohlleben in Isolationshaft befunden.

Dem OLG-Senat und dem Vorsitzenden Richter Manfred Götzl warf Schneiders vor, reihenweise Beweisanträge abgelehnt zu haben und an der Wahrheit nicht interessiert zu sein. Schon zu Beginn des NSU-Prozesses habe das Urteil gegen Wohlleben "wie in Stein gemeißelt" festgestanden.

Eingebettet in ihr Plädoyer formulierte sie den Antrag, ein früheres Mitglied der rechtsextremen und kriminellen Szene in Jena zu vernehmen. Dabei geht es erneut um die Mordwaffe des NSU vom Typ "Ceska". Wohlleben ist dafür angeklagt, dass er diese Waffe organisiert habe, wofür die Bundesanwaltschaft zwölf Jahre Haft für ihn gefordert hat.

Schneiders meinte, der von ihr beantragte Zeuge werde aussagen, dass er eine typgleiche Waffe besessen und an den NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt übergeben habe.

Titelfoto: DPA


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