München ohne Auto: So kommst Du in Zukunft trotz voller U-Bahn an Dein Ziel

München - Alltag in München: Staus auf den Straßen, Gedränge in der U-Bahn. Die Verkehrsstruktur der Stadt ist überlastet. Damit die wachsende Zahl der Bürger überhaupt noch an ihr Ziel kommt, wird viel gebaut und noch mehr geplant.

Geduld im Berufsverkehr: Der Verkehr staut sich auf dem Mittleren Ring.
Geduld im Berufsverkehr: Der Verkehr staut sich auf dem Mittleren Ring.  © DPA

Um die Straßen zu entlasten und der Umwelt aushelfen, sollen Bürger auf ein eigens Auto verzichten. München setzt deshalb auf städtische Sharing-Angebote.

Neben Autos und Fahrrädern sollen dabei auch Lastenfahrräder oder kleine Lieferwagen für den Transport sperriger Gegenstände gegen Gebühr ausgeliehen werden können, erläuterte Stadtbaurätin Elisabeth Merk.

Wichtig sei, dass die Angebote ausreichend seien. "Es langt nicht, dass ich dann da drei Autos habe und immer, wenn ich ein Auto brauche, ist keines da", sagte sie.

Entscheidend für die Akzeptanz von Angeboten zur gemeinsamen Nutzung von Fahrzeugen ist nach Merks Einschätzung auch die Erreichbarkeit. "Ganz wichtig ist, dass die Sharing-Modelle in den Stadtquartieren selbst sind und nicht an den großen S- und U-Bahnhöfen. Denn oft sind es die letzten eineinhalb Kilometer, die die Entscheidung beeinflussen."

Zudem müsse es unkompliziert und schnell gehen, ein Fahrzeug zu mieten. "Am Ende geht es eigentlich immer um Erreichbarkeit und Komfort", betonte Merk.

Doch bis es einmal so weit ist, setzt Merk auf Zwischenlösungen wie Expressbusse, die auf einer eigenen Spur fahren. Und auf Radschnellwege, die für viele Pendler eine Alternative sein können. Doch damit entstehen zwangsläufig Konflikte: Allein für den geplanten Radschnellweg nach Garching müssten mehr als 800 Parkplätze wegfallen.

Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) fragte deshalb vor kurzem in einer Stadtrats-Sondersitzung zum Thema Mobilität, ob das Gremium bereit sei, für Busspuren, Radlwege und Fahrradgaragen auf Fahrbahnen für Autofahrer sowie auf Parkplätze zu verzichten.

Zweite Stammstrecke in München in Arbeit: Marienhof wird neuer Knotenpunkt

Jeder Morgen das Gleiche: Pendler drängen am Ostbahnhof in eine einfahrende U-Bahn.
Jeder Morgen das Gleiche: Pendler drängen am Ostbahnhof in eine einfahrende U-Bahn.

Die zweite Stammstrecke ist mit bis zu 3,85 Milliarden Euro ein gigantisches Projekt. Sie soll nach ihrer Fertigstellung 2026 die chronisch überfüllte und störungsanfällige erste Stammstrecke entlasten, auf der bislang alle S-Bahn-Züge die Innenstadt passieren. Kommt es in diesem Nadelöhr zu Problemen, wirkt sich das blitzschnell auf das gesamte Netz aus.

Aktuell wird schon an der neuen Station Marienhof gebaut, die später ähnlich groß wie der Hauptbahnhof sein wird. Dieser bekommt für die neue Stammstrecke ein weiteres "Kellergeschoss": Unter allen bereits bestehenden Bahnsteigebenen wird dort in 41 Metern Tiefe eine neue Station entstehen. Für die neue Stammstrecke führen die Gleise durch zwei jeweils sieben Kilometer lange Fahrtunnel, die nahezu parallel zur bestehenden Strecke verlaufen.

Ein weiteres Großprojekt ist die bessere Anbindung des Flughafens mit der S8.

Auch das U-Bahn-System, das seit Ende der 1990er nur noch um kleinere Ergänzungen erweitert wurde, soll gleich an mehreren Stellen erheblich ausgebaut werden.

U-Bahn, Seilbahn, Hauptsache kein Bus: So werden die öffentlichen Verkehrsmittel ausgebaut

München könnte bald eine Seilbahn als Teil des öffentlichen Nahverkehrs bekommen. (Darstellung)
München könnte bald eine Seilbahn als Teil des öffentlichen Nahverkehrs bekommen. (Darstellung)  © DPA

So wird die U5 nun nicht nur bis Pasing, sondern darüber hinaus bis in den Stadtteil Freiham geführt. Die U6 wird von Großhadern nach Martinsried verlängert und die "Entlastungsspange U9" wird eine neue, gut zehn Kilometer lange Strecke mit sieben neuen Bahnhöfen in der Innenstadt. Zudem wird mit der Tram-Westtangente eine lange Verbindungsstrecke neu entstehen.

Generell sind die Quer- und Ringverbindungen derzeit ein Schwachpunkt im Münchner Netz. Sie werden vor allem von Bussen abgedeckt, weshalb man oft schneller von A nach B kommt, wenn man sternförmig zunächst in die Innenstadt hinein- und dann wieder hinausfährt.

"Wenn man drumherum fährt, führt das zu einer erheblichen Entlastung", erläutert Ministerpräsident Markus Söder (CSU). "Unser Ziel ist deshalb ein S-Bahn-Ring um München herum."

Spektakulärstes Projekt ist aktuell eine Seilbahn, die im Norden der Stadt eine Ost-West-Verbindung schaffen soll. Keine Flächenkonkurrenz zu den Autos auf der Straße, größere Beförderungskapazitäten als eine Tram, dazu deutlich billiger als eine U-Bahn würde sie viele Vorzüge in sich vereinen. Erst vor wenigen Wochen gab der Stadtrat eine Machbarkeitsstudie in Auftrag.

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