Voll daneben! Wiesn-Warnung für Lesben und Schwule

Die Drag Queen Franka posierte am Gay-Sonntag auf dem Oktoberfest mit zwei Gästen.
Die Drag Queen Franka posierte am Gay-Sonntag auf dem Oktoberfest mit zwei Gästen.  © Vauel/dpa

München - Auf dem Oktoberfest feiern sie einträchtig zusammen: unterschiedliche Hautfarben und Nationalitäten, Junge und Alte, Schwule und Heteros. Die Münchner sind stolz auf ihre Wiesn, die Menschen im Bierzelt vereint, egal, wo sie herkommen.

Doch ausgerechnet für die Wiesn warnt nun eine Internetseite Schwule: Sie sollten sich lieber etwas zurücknehmen. "Nicht jeder Besucher des Oktoberfests ist so tolerant, dass er sich über schwule Männerpaare freuen kann", mahnt "oktoberfestportal.de".

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Volker Beck und die Münchner Grünen-Chefin Gudrun Lux wandten sich in einem besorgten Brief an Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD). Es könne nicht sein, dass Schwule und Lesben das größte deutsche Volksfest nicht gefahrlos besuchen könnten. "Auf der Wiesn darf kein Platz sein für Homosexuellenfeindlichkeit."

Wie die Macher der Seite zu ihrer Warnung kamen, dazu wollten sie sich auf Anfrage nicht äußern. Sie rieten schwulen und lesbischen Besuchern aber, sie sollten "Augen und Ohren offen halten, ob Ihr für Gesprächsstoff sorgt. Das Bierzelt ist jedenfalls nicht der richtige Ort, um den Menschen Begriffe wie "Toleranz" und "Gleichberechtigung" zu erklären."

Thomas Niederbühl, schwuler Münchner Stadtrat von der Rosa Liste, sieht die Sache entspannt. "Ein typisches Beispiel für mich für: gut gemeint und voll daneben", sagt er. Außerdem sei die die Wiesn keineswegs für besondere Schwulenfeindlichkeit bekannt.

Am ersten Wiesn-Wochenende hatten Schwule und Lesben ausgelassen wie eh und je gefeiert, offensichtlich unbehelligt. Rund 7000 Menschen kamen laut Wirt Georg Heide zum traditionellen Gay-Sonntag in die Bräurosl. Die Gäste reisen zu dem schwulen Event aus ganz Europa an.

Titelfoto: Vauel/dpa


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