Fall Susanna: Jürgen Todenhöfer kritisiert Auslieferung von Ali B.

München - Jetzt hat sich auch noch der vermeintliche Aufklärer und umstrittene Publizist Jürgen Todenhöfer (77) mit einem Kommentar zum Mordfall Susanna F. geäußert. Er kritisiert die Abschiebung des mutmaßlichen Mörders Ali B. nach Deutschland.

Beherrscht die Inszenierung um seine eigene Person: Der Publizist Jürgen Todenhöfer.
Beherrscht die Inszenierung um seine eigene Person: Der Publizist Jürgen Todenhöfer.  © Ingo Wagner/dpa

Denn mit dem Vorgehen der deutschen Sicherheitsbehörden ist Todenhöfer absolut nicht einverstanden. Unter anderem bei Facebook (über 739.000 Follower) richtet er sich "an Seehofer und Co" und stellt seinen Post unter die Frage "Warum holt Ihr diesen mutmasslichen Mörder zurück??" (Rechtschreibung übernommen)

Weiter heißt es: "Ich bin fast immer auf der Seite der Flüchtlinge. Ich mache auch persönlich viel für sie. Aber die Rückführung von Susannas mutmaßlichem Vergewaltiger und Mörder nach Deutschland ist eine krasse Fehlentscheidung. Da ist nichts zu Ende gedacht."

Seine danach folgenden Argumente bieten den Usern regelrecht eine Steilvorlage für Hetze und verbale Gewalt. Die kommt auch promt in vielen Antworten. Was seine Argumente nicht sind: Eine Hilfe für die Familie des Opfers.

Denn während der Chef der Bundespolizei, Dieter Romann, die Auslieferung von Ali B. damit begründet "Das waren wir der Mutter des toten Kindes schuldig", heißt es bei Todenhöfer, Ali B. würde im Irak "schneller und härter bestraft als in Deutschland." Und er orakelt, dass der mutmaßliche Mörder mit "nur 15 Jahre Gefängnis" davonkommt. Sein Vorschlag: "Über die im Irak drohende Todesstrafe könnte man mit den befreundeten Kurden in Erbil sicher reden."

Außerdem sei Deutschland Ali B. gegenüber zu nichts mehr verpflichtet. Schließlich sei er ist aus Deutschland abgehauen. Todenhöfer: "Kein Gesetz der Welt zwingt uns, geflohene ausländische Straftäter zurück zu holen, wenn fest damit zu rechnen ist, dass sie auch in ihrem Heimatland bestraft werden."

Auch hier hat Romann eine ganz andere Meinung.

Der mutmaßliche Täter Ali B. wird aus dem Polizeipräsidium Westhessen in Wiesbaden abgeführt.
Der mutmaßliche Täter Ali B. wird aus dem Polizeipräsidium Westhessen in Wiesbaden abgeführt.  © imago stock&people

Ohne zu zögern, setzte er sich ins Flugzeug nach Irak und holte Ali B. persönlich dort ab. Ihm ist wichtig, dass der Prozess in Deutschland stattfindet. Damit Susannas Familie sehen kann, dass der mutmaßliche Mörder auch tatsächlich angeklagt und bestraft wird.

Und über das Strafmaß hat nun mal nicht Herr Todenhöfer zu entscheiden, sondern noch immer die deutschen Gesetze. Dazu muss man auch nicht mit irgendwelchen Freunden sprechen.

Über die Kosten regt sich Jürgen Todenhöfer auch noch auf. So was kommt immer gut: "Die Rückführung des Täters kostet unverantwortlich viel Geld. Von den zukünftigen Kosten ganz zu schweigen." Und: "Nichts, aber auch gar nichts spricht für die Rückholung dieses Mannes, der ein derart scheußliches Verbrechen begangen hat".

Ob ein ordentlicher Prozess in Deutschland dem Seelenfrieden der Familie von Susanna F. helfen kann, wird sich zeigen.

Titelfoto: imago stock&people, dpa


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