Todes-Fahrt von Münster: Warum wird ein Klein-Krimineller zum Amok-Fahrer?

Münster - Die Polizei hat die beiden Todesopfer der Amokfahrt von Münster identifiziert, das teilten Staatsanwaltschaft und Polizei Münster am Sonntag in einer gemeinsamen Presseerklärung mit.

Mit diesem Bus fuhr der Tatverdächtige Jens R. (48) in die Menschenmenge und tötete zwei Personen.
Mit diesem Bus fuhr der Tatverdächtige Jens R. (48) in die Menschenmenge und tötete zwei Personen.

Demnach handele es sich im eine Frau (51) aus dem Kreis Lüneburg und einen Mann (65) aus dem Kreis Borken.

Zudem bestätigten die Behörden, dass der Fahrer des silbergrauen VW Campingbusses (Allrad) sich nach der Tat im Wagen erschoss.

Das Motiv des Mannes sei weiter unklar. Es wird auch geprüft, ob es sich um einen erweiterten Suizid handeln könnte, so wie etwas beim Absturz der Germanwings-Maschine von Andreas Lubitz mit 150 Toten.

"Nach dem jetzigen Stand der Ermittlungen handelt es sich bei dem Fahrer vermutlich um einen 48-jährigen Mann aus Münster", erläuterte Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt. "Bislang liegen keine Hinweise auf einen möglichen Hintergrund für die Tat vor. Die Ermittlungen werden mit Hochdruck und in alle Richtungen geführt."

Ein islamistisches Motiv wird aktuell so gut wie ausgeschlossen. "Im Moment spricht nichts dafür, dass es irgendeinen islamistischen Hintergrund gibt", so der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU).

Wie Spiegel berichtet, soll der Täterverdächtige Jens R. psychisch labil gewesen sein, Nachbarn beschreiben ihn als einen schwierigen Typen. Er hätte eine Zeit als Designer gearbeitet, sei damit in den vergangenen Jahren immer weniger in Erscheinung getreten. Bevor er nach Münster zog, soll er sich eine Weile ins Ostdeutschland aufgehalten haben.

Schwer bewaffnete Polizisten eine Spezialeinheit in der Innenstadt von Münster.
Schwer bewaffnete Polizisten eine Spezialeinheit in der Innenstadt von Münster.  © DPA

Der Polizei ist er als Kleinkrimineller wegen Sachbeschädigung und Bedrohung bekannt. Nach Spiegel-Informationen hatte er in der Vergangenheit bereits einen Suizidversuch hinter sich.

Auch wenn es sich bei der Wahnsinnstat um keinen Terrorakt, sondern möglicherweise um ein persönliches Motiv handelt, hat er sich in der Art der Ausführung vermutlich von vergleichbaren Anschlägen, wie in Nizza, Berlin, Barcelona oder London "inspirieren" lassen.

Bei der Untersuchung des Tatfahrzeuges fand die Polizei nicht – wie zunächst befürchtet – Sprengstoff. Es lagen neben der Tatwaffe, mit der er sich selbst erschoss, noch ein Drähte und ein paar Dutzend Polenböller in dem Bus.

Bei der Durchsuchung der Wohnung des Amokfahrers fand die Polizei eine unbrauchbare Maschinenpistole vom Typ AK47, wie es hieß. Die Beamten hätten nur eine Dekorationswaffe und Feuerwerkskörper gefunden.

Spezialisten hätten aus Sicherheitsgründen die Wohnungstür aufgesprengt, bevor die Beamten die Räume hätten untersuchen können. Am Samstagabend waren in Münster wiederholt Explosionsgeräusche zu hören gewesen.

Das Bundeskriminalamt richtete im Internet für Zeugen ein Hinweisportal ein: Unter der Adresse https://www.bka-hinweisportal.de/ könnten Videos oder Fotos, die im Zusammenhang mit der Tat stehen, hochgeladen werden. Nach Angaben der Polizei laufen inzwischen viele Hinweise ein.

Am Samstag um 15.27 Uhr hatte der 48-Jährige sein Fahrzeug im Zentrum von Münster in eine Gruppe von Menschen vor einer beliebten Gaststätte gesteuert. Neben den beiden Toten zählte die Polizei mehr als 20 zum Teil schwer verletzte Opfer. Einige seien in Lebensgefahr.

Das Land Nordrhein-Westfalen zog alle verfügbaren Polizeikräfte in Münster zusammen.
Das Land Nordrhein-Westfalen zog alle verfügbaren Polizeikräfte in Münster zusammen.  © DPA

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