Eklat: Priester verlangt in Predigt Vergebung für priesterlichen Missbrauch

Münster - Nach dem Eklat um eine Predigt zum Thema Vergebung für priesterlichen Missbrauch lädt die betroffene katholische Gemeinde in Münster zu einer Aussprache.

Der Priester verlangte Vergebung für Priester, die Kinder missbraucht hätten. (Symbolbild)
Der Priester verlangte Vergebung für Priester, die Kinder missbraucht hätten. (Symbolbild)  © 123RF

Das öffentliche Gespräch am Montagabend (19.30 Uhr) in der Heilig-Geist-Kirche sei auch als Forum für Betroffene gedacht, die bei dem Gottesdienst vor einigen Tagen anwesend waren und ihn unter Protest vorzeitig verlassen hatten.

Das sagte der leitende Pfarrer der zuständigen Pfarrei St. Joseph, Stefan Rau. Der emeritierte Pfarrer Ulrich Zurkuhlen hatte in seiner Predigt dafür geworben, auch Priestern zu vergeben, die sexuellen Missbrauch begangen haben. Viele Gottesdienstbesucher verließen den Gottesdienst entsetzt.

Bischof Felix Genn hatte dem 79-Jährigen kurz nach dem Bekanntwerden des Eklats bereits am vergangenen Freitag mitgeteilt, er solle bis auf Weiteres nicht mehr predigen. Der scharf kritisierte Pfarrer hatte sich unbeirrt gezeigt und sich über "das Geschrei in der Kirche" beschwert.

Dem Priester wurde nach dem Eklat geraten, fürs erste nich mehr zu predigen. (Symbolbild)
Dem Priester wurde nach dem Eklat geraten, fürs erste nich mehr zu predigen. (Symbolbild)  © 123RF

Der Deutschen Presse-Agentur sagte Zurkuhlen: "Man kann theologisch gesehen auch Priestern vergeben, die sich an Minderjährigen vergangen haben." Er habe sinngemäß gesagt, "dass es gut oder nötig wäre, dass Verantwortliche der Kirche allmählich den sogenannten Verbrechern ein Wort der Vergebung schenken sollten."

Rau widersprach heftig. "Kein Täter hat ein Recht auf Vergebung." Es gehe um die Opfer und deren Rechte. Was Zurkuhlen geäußert habe, stehe im Gegensatz zum Bemühen des Pastoralteams, beim Thema Missbrauch und Missbrauchsprävention eine vertrauensvolle Arbeit und Atmosphäre zu schaffen, betonte er auf dpa-Anfrage.

An dem Gottesdienst hätten auch Menschen teilgenommen, die Opfer sexuellen Missbrauchs geworden seien. Die "Assoziation", dass Opfer die Pflicht hätten, ihren Tätern zu vergeben, sei "völlig daneben", betonte der leitende Pfarrer.

"Es ist nicht egal, was hier jemand erzählt. Die Äußerungen werden nicht ohne Folgen bleiben." Das schulde man auch den Opfern. Zu dem öffentlichen Gespräch sei Zurkuhlen nicht eingeladen.

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