Müssen wir Flüchtlinge bald in unseren Wohnungen aufnehmen?

In der Thäterstraße und drei anderen Standorten muss die Stadt Asylbewerber in Turnhallen unterbringen.
In der Thäterstraße und drei anderen Standorten muss die Stadt Asylbewerber in Turnhallen unterbringen.

Von Dominik Brüggemann

und Dirk Hein

Dresden - Immer mehr Flüchtlinge kommen nach Dresden. Doch neue Quartiere gibt es kaum. Die als Provisorien gedachten Turnhallen werden wohl zum Dauerquartier für die dort untergebrachten Flüchtlinge.

Wie eine Lösung aussehen soll, ist unklar. In der MOPO24 skizziert Sozialbürgermeistern Kristin Kaufmann (39, Linke) jetzt den drohenden Ernstfall.

„Es ist eine große Herausforderung. Wir prüfen alle Unterkunftsmöglichkeiten. Fakt ist: Die Unterbringung der Menschen ist alternativlos“, so Frau Kaufmann. Die kommunalen Turnhallen wie die an der Thäterstraße in Übigau sind daher fest eingeplant.

Dresdens Sozialbürgermeisterin Kristin Kaufmann.
Dresdens Sozialbürgermeisterin Kristin Kaufmann.

„Wie lange dieser Zustand andauert, ist noch unklar“, so eine Sprecherin der Stadt. Heißt konkret: Eigentlich sollen Turnhallen nur ein Provisorium sein. Wenn aber immer mehr Flüchtlinge nach Dresden kommen, werden Provisorien zum Dauerzustand.

Weil es in der Landeshauptstadt zudem kaum noch leer stehende Wohnungen gibt, zählt Sozialbürgermeisterin Kaufmann auch folgende Möglichkeit auf: „Eventuell müssen wir unsere Wohnungen öffnen, wie es auch nach dem Zweiten Weltkrieg der Fall war“, warnt sie für den Fall vor, dass nicht genügend andere Unterkünfte gefunden würden.

Aktuell profitiert die Landeshauptstadt noch vom Planungs-Chaos auf Landesebene. Weil dort nicht schnell genug sämtliche medizinischen Tests durchgeführt werden können, verlassen immer noch relativ wenig Flüchtlinge die Erstaufnahmeeinrichtungen in Richtung endgültiger Asyl-Unterkunft.

Die Landeshauptstadt verfügt aktuell über 15 Heime mit 1083 Plätzen und 439 Wohnungen mit 2642 Plätzen sowie vier in Betrieb genommene Turnhallen mit 209 Plätzen an den Standorten Ginsterstraße (59 Plätze), Terrassenufer (40 Plätze), Schleiermacherstraße (70 Plätze) und der erwähnten Thäterstraße (40 von 59 Plätze belegt).

Das durchschnittliche Asylverfahren in Dresden dauert fünfeinhalb Monate.

Wer macht was im Rathaus?

Sven Manja (Mi.) und Ralf Lübs (re.).
Sven Manja (Mi.) und Ralf Lübs (re.).

Mittlerweile gibt es kaum ein Amt, das sich nicht mit Asylfragen beschäftigen muss. Vor allem im Sozialamt sind die Mitarbeiter am Anschlag.

Auf Bürgermeisterebene leitet Finanzbürgermeister Hartmut Vorjohann (52, CDU) die Projektgruppe Asyl. Fachlich zuständig ist Sozialbürgermeistern Kris Kaufmann (39, Linke).

Ralf Lübs (54), Chef des Ordnungsamtes, ist verantwortlich für sämtliche Sicherheitsfragen an den Asyl-Standorten. Sven Mania (45), ehemals Chef der Dresdner Sportstätten und Bäder, koordiniert die Unterbringung der Flüchtlinge.

Gerit Thomas (43), persönliche Referentin von OB Dirk Hilbert (44, FDP), hält den Rathaus-Chef immer informiert.

Rathaus sucht weiter nach Container-Grundstücken

1300 Asylbewerber hat Dresden im letzten Jahr aufgenommen. 2423 Flüchtlinge wurden 2015 bisher aufgenommen - über 3000 werden, vorsichtig geschätzt, für den Rest des Jahres noch erwartet.

Um die überhaupt unterbringen zu können, pflügt die Stadt aktuell jeden Quadratmeter kommunaler Grundstücke als Standort für Containerlösungen um. Allerdings rennt die Zeit davon, zumal noch kein einziger Container bestellt wurde.

Die Standort-Liste sollte eigentlich schon im September fertig sein, verzögert sich aber weiter. Zusätzlich versucht die Stadt weiter, Hotelzimmer und freie Wohnungen für Flüchtlinge zu sichern und prüft Angebote von Privatleuten und Firmen.

Ziehen Flüchtlinge auch in die Messe?

In der Leipziger Messe wurden bereits Flüchtlinge untergebracht, die Messe Dresden ist bisher davon ausgenommen.

Fakt ist aber: Ende letzter Woche geriet auch die gesamte Dresdner Messe in den Fokus des Freistaates. Erst in letzter Minute und mit Blick auf drohende Schadensersatzforderungen konnte die Stadt eine Belegung verhindern.

Offiziell wollte sich am Freitag niemand dazu äußern.

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Fotos: Thomas Türpe, Steffen Füssel


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