Kein Geld vom Freistaat! Knast sperrt sich zur Museumsnacht

Der Kaßberg-Knast war die größte Abschiebehaftanstalt der DDR. Nun ist er das Highlight der Chemnitzer Museumsnacht.
Der Kaßberg-Knast war die größte Abschiebehaftanstalt der DDR. Nun ist er das Highlight der Chemnitzer Museumsnacht.

Von Doreen Grasselt

Chemnitz - Die Chemnitzer Museumsnacht verliert in diesem Jahr ihr beliebtestes Highlight. Denn zum ersten Mal seit vier Jahren bleiben die Tore des Kaßberg-Gefängnisses am 21. Mai geschlossen. Der Gedenkort-Verein hat die Teilnahme abgesagt.

Die ehemalige Abschiebehaftanstalt der DDR in der Kaßbergstraße war bislang mit jährlich etwa 1500 Besuchern und riesigen Warteschlangen der Publikumsmagnet zur Museumsnacht.

„Wir brauchen jedes Jahr etwa 30 Freiwillige, um die Veranstaltung zu stemmen“, erklärt die stellvertretende Vorsitzende des Vereins, Hanka Kliese (35, SPD). „Die Absage soll ein Zeichen an den Freistaat sein, dass dieser Aufwand nicht mehr für lau machbar ist.“

Die stellvertretende Vereinsvorsitzende Hanka Kliese (35, SPD) will die Museumsnacht nicht mehr für lau stemmen. Ex-Insasse Maik Reinhardt (50) will trotzdem Führungen organisieren.
Die stellvertretende Vereinsvorsitzende Hanka Kliese (35, SPD) will die Museumsnacht nicht mehr für lau stemmen. Ex-Insasse Maik Reinhardt (50) will trotzdem Führungen organisieren.

Doch die Zeitzeugen sind sauer. „Ich finde es traurig, dass eine so bedeutende Entscheidung ohne uns getroffen wird“, schimpft Vereinsmitglied Maik Reinhardt (50).

Der Ex-Häftling saß 1989 wegen versuchter Republikflucht in der JVA, organisiert jetzt Führungen durch den alten Stasi-Knast.

Die Zeitzeugen wollen jetzt eine „Museumsnacht Light“ organisieren: „Der Einlass erfolgt über die Schleuse in Gruppen von bis zu 20 Leuten. So organisieren wir unsere normalen Führungen sonst auch.“

Sonntagabend wollen die Vereinsmitglieder die Vorschläge in der Mitgliederversammlung diskutieren.

Der Kaßberg gilt als größter Menschenhandelsplatz der Weltgeschichte. Das Gefängnis war einst die größte Abschiebehaftanstalt der DDR.

Von den 33.000 an die BRD verkauften DDR-Häftlingen wurden 32.000 von Chemnitz aus abgeschoben. Zudem haben die Nazis Tausende Juden auf dem Kaßberg eingesperrt, bevor diese in die Todeslager deportiert wurden.

Jedes Jahr stehen zur Museumsnacht lange Warteschlangen am Einlass des Gefängnisses.
Jedes Jahr stehen zur Museumsnacht lange Warteschlangen am Einlass des Gefängnisses.

Fotos: Sven Gleisberg, Ernesto Uhlmann, dpa


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