Stellt die CSU doch ersten muslimischen Bürgermeister-Kandidaten?

Neufahrn - Nach dem Rückzug eines muslimischen CSU-Bürgermeisteranwärters in Wallerstein (TAG24 berichtete) könnte es nun andernorts einen muslimischen CSU-Kandidaten geben.

Alles im Griff: Ozan Iyibas gilt als wahrscheinlicher Bürgermeisterkandidat.
Alles im Griff: Ozan Iyibas gilt als wahrscheinlicher Bürgermeisterkandidat.  © Screenshot/Facebook/Ozan Iyibas

Ozan Iyibas gilt für die Kommunalwahl am 15. März nach Medienberichten derzeit als wahrscheinlichster Bürgermeisterkandidat in Neufahrn (Kreis Freising). An diesem Freitag ist die Nominierungsversammlung. Das berichtete die dpa am Montagnachmittag.

Der 37-jährige Politiker schlug bereits vergangene Woche bei Facebook auf den Tisch: Es ging um das Verhalten mancher Parteimitglieder in Bezug auf die Kandidatur seines Parteikollegen Sener Shahin aus Wallenstein.

"Wenn es einige Verirrte gibt, die sagen: 'Ein CSU-Chef mit muslimischem Glauben ist so abwegig wie eine Pfarrstelle in Mekka', dann ist das eine Meinung eines verbitterten, gescheiterten vitalen Erfahrungsträger, der nur polarisiert und kleinkariert denkt", schrieb er in seinem Posting.

CSU-Chef Söder vertritt da eine ähnliche Meinung. "Jemand, der sich für uns engagiert (...), der hat auch Respekt und Unterstützung verdient", sagte er gegenüber Pressevertretern. Der Generalsekretär der Partei, Markus Blume, habe sich persönlich dafür eingesetzt, Sener Shahin, umzustimmen. Allerdings ohne Erfolg.

Ozan Iyibas bezeichnet sich als "voll bayerisch und voll deutsch"

Andreas Scheuer, Dorothee Bär, Josef Schmid und Ozan Iyibas (v.l.) bei der CSU-After-Work-Party im P1 in München. (Archiv)
Andreas Scheuer, Dorothee Bär, Josef Schmid und Ozan Iyibas (v.l.) bei der CSU-After-Work-Party im P1 in München. (Archiv)  © Matthias Balk/dpa

Dass nun der neue mögliche Bürgermeisterkandidat keiner christlichen Religion angehört, stellt auch für das Grundsatzprogramm der CSU kein Problem dar. Dieses beginnt mit den Worten: "Das C in unserer Partei steht für die christliche Werteorientierung."

Und weiter heißt es: "Das U steht für die Union im Sinne eines verbindenden Miteinanders. Seit ihrer Gründung ist die CSU eine überkonfessionelle Partei." Das scheinen manche Mitglieder wohl überlesen zu haben.

In Wallerstein drohten die Mitglieder laut eines Beitrags des Magazins "quer" mit Rücktritt, solle es zu einem muslimischen Bürgermeisterkandidaten kommen.

Ozan Iyibas lässt sich davon scheinbar nicht beirren. Zwar ist seine Kandidatur noch nicht offiziell, doch gegenüber der dpa bestätigte der Bankkaufmann bereits: "Das ist eine Option" und er sei "voll bayerisch und voll deutsch" und "genauso ein CSU-ler". Er führt zudem bereits die CSU-Liste für die Gemeinderatswahl an.

Iyibas gehört - wie seine Eltern - den Aleviten an, einer Konfession, die meist dem Islam zugerechnet wird, feierte sogar die Weihnachtszeit, wie er auf Facebook in mehreren Beiträgen zeigte. Das Alevitentum gilt jedoch als sehr viel liberaler und säkularer als der Islam. Aleviten werden daher von Teilen der Sunniten und Schiiten nicht als Muslime anerkannt.

Der Kommunalpolitiker wurde bereits 2015 zum Vorsitzenden des "CSU-Arbeitskreises Migration und Integration" gewählt. Zu dem ihm damals per Twitter Andreas Scheuer persönlich gratulierte.

Ozan Iyibas gilt für die Kommunalwahl am 15. März nach Medienberichten derzeit als wahrscheinlichster Kandidat in Neufahrn. Am Freitag (17. Januar) ist die Nominierungsversammlung.

Titelfoto: Screenshot/Facebook/Ozan Iyibas

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