"Sie haben zwei Gebärmütter": Ärzte beharrten jahrelang auf Fehldiagnose

Brentwood - Es ist (fast) vollbracht. Die 26-jährige Nicola Guinness aus dem britischen Brentwood erwartet nun endlich ein Kind. Seit Jahren versuchte sie es schon - nun hat es geklappt. Doch aufgrund einer Fehldiagnose ihrer Ärzte war der Weg dahin besonders steinig.

Sie hat es geschafft. Nach sechs Fehlgeburten wird sie im kommenden Jahr wohl endlich Mutter eines Sohnes.
Sie hat es geschafft. Nach sechs Fehlgeburten wird sie im kommenden Jahr wohl endlich Mutter eines Sohnes.  © Screenshot/Facebook @Nicola Guinness

"Sie haben einen sogenannten Uterus Didelphys". Das sagte man Nicola im zarten Alter von 15 Jahren beim Frauenarzt. Für sie im ersten Moment natürlich nicht besonders verständlich, erklärte man ihr im Anschluss, was genau das ist und welche Auswirkungen es hat.

Vereinfacht ausgedrückt habe sie zwei getrennte Gebärmütter und Vaginen, was es problematisch machen würde, schwanger zu werden.

Man sagte ihr damals, dass wenn sie einmal Kinder bekommen möchte, sie es so früh wie nur möglich versuchen sollte. Denn: Je älter sie werden würde, desto komplizierte wäre die Empfängnis und eine damit verbundene erfolgreiche Schwangerschaft.

Nicolas Entschluss damals: Sobald sie das 18. Lebensjahr erreicht habe, würde sie beginnen, an einer Schwangerschaft zu arbeiten.

Doch wie sich bald herausstellte, war nicht die Empfängnis an sich das Problem, sondern, dass sie ihre Embryos jedes Mal noch innerhalb der ersten vier Schwangerschaftswochen verloren hat.

Insgesamt sechs Fehlgeburten musste sie seit ihrem 18. Lebensjahr erleiden. Ein Zustand, der für die junge Frau unerträglich war und sie psychisch schwer belastete.

Doch im Jahr 2017 kam dann etwas Bewegung in das Baby-Drama. "Vor zwei Jahren erhielt ich einen Brief von meinen Ärzten, in dem stand, dass ich ein vollständiges Uterusseptum hatte - eine dicke Hautwand, die mein Fortpflanzungssystem in zwei Hälften teilt - und dass ich dementsprechend nie in der Lage sei, ein Baby auszutragen."

Die junge Frau war nun gänzlich verwirrt. Nicola wusste zwar von Beginn an, dass irgendetwas komisch sei, doch sie vertraute der Ursprungsdiagnose über Jahre.

Die neue Diagnose leuchtete ihr dann jedoch ein. Das Septum trennte ihre Vagina in zwei Seiten. Dies sei auch der Grund, weshalb sie oftmals trotz Tampon blutete - und auch, warum sie so häufig schwanger wurde und ihre Embryos jedes Mal wieder verlor.

Endlich scheint alles gut: Im Februar erwartet Nicole ihr erstes Kind

Hier der kleine Reggie auf einem Ultraschallbild.
Hier der kleine Reggie auf einem Ultraschallbild.  © Screenshot Facebook/ @Nicola Guinness

Die Diagnose, die sie 2008 bekam, entpuppte sich letztlich also als fehlerhafter Befund.

Auch wenn ebendieser Befund, dem eigentlichen Problem besonders nahe ist, hat er dennoch ganz andere Auswirkungen auf ihren Körper. So hat die Frau de facto nur eine Gebärmutter, einen Gebärmutterhals und eine Vagina - diese sind jedoch durch eine Hautwand geteilt.

Durch die dadurch fehlende Sauerstoffzufuhr kann ein befruchtetes Ei nicht überleben.

Doch das Hauptproblem war damit noch nicht bekämpft. Da ein entsprechender Eingriff nicht ungefährlich ist und ein nicht zu unterschätzendes Risiko mit sich bringt, dass die Frau im Anschluss unfruchtbar sei, fand Nicola keinen Arzt, der die nötige Schlüssellochoperation bei ihr durchführte.

Erst im Oktober 2018 fand sie letztlich einen Mediziner, der sich auf dieses Gebiet spezialisiert hatte und den rund zweistündigen Eingriff bei ihr vollziehen würde.

Und es klappte! Sie und ihr Freund Anthony erwarten bald ihr erstes gemeinsames Kind.

Nicola hat den Jungen bis heute im Bauch. Im Februar soll der kleine Junge, dessen Name Reggie sein wird, dann per Kaiserschnitt zur Welt kommen.

"Die meisten Mütter müssen nur neun Monate auf ihr Baby warten. Ich hingegen acht Jahre", sagte sie nun überglücklich zu "metro".


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