Mutter wegen Entführung des eigenen Sohns verurteilt

Claudia Renneberg vor Gericht.
Claudia Renneberg vor Gericht.

Zwickau - Weil Claudia Renneberg ihr eigenes Kind entführt hat, ist die 34-Jährige zu einer Geldstrafe in Höhe von rund 1000 Euro verurteilt worden.

Das Amtsgericht Zwickau sah es am Donnerstag als erwiesen an, dass sie im Sommer 2013 mit ihrem damals sechs Jahre alten Sohn untergetaucht war - zuvor war ihr im Zuge eines Streits mit dem Vater um das Umgangsrecht das Sorgerecht entzogen worden.

Die Vorsitzende Richterin äußerte in ihrer Urteilsbegründung Verständnis für die "emotionale Situation einer verzweifelten Mutter".

Dennoch hätte die Frau die zuvor von mehreren Gerichten getroffenen Entscheidungen zum Sorgerecht akzeptieren müssen.

Selbst das Bundesverfassungsgericht habe eine Klage abgewiesen. Selbstjustiz sei nicht hinnehmbar, hatte zuvor auch die Staatsanwältin betont. Sie hatte für eine Geldstrafe von 2600 Euro plädiert.

Die Verteidigung hatte hingegen einen Freispruch gefordert. Rechtsanwalt Klaus Bartl kündigte an, Berufung einzulegen. "Meiner Mandantin ist in verfassungswidriger Weise staatliches Unrecht widerfahren." Dies hätte als entschuldigender Notstand berücksichtigt werden müssen.

Claudia Renneberg (34) mit ihrem Sohn Timo (8).
Claudia Renneberg (34) mit ihrem Sohn Timo (8).

Die 34-Jährige reagierte mit Wut und Enttäuschung auf das Urteil. Das Gericht sei nicht an der Aufarbeitung ihres Falls interessiert gewesen.

Es habe keine Rolle gespielt, dass ihr das Sorgerecht zu Unrecht entzogen worden sei, sagte sie. Inzwischen hat die Frau das Sorgerecht wieder zurück und lebt mit ihrem heute achtjährigen Sohn zusammen.

Begonnen hatte alles 2010 mit der Trennung vom Kindsvater. Weil sich die Eltern nicht über den Umgang einigen konnten, ging der Fall vor das Amtsgericht Auerbach. Im Zuge dessen wurde ein umstrittenes Gutachten von einem Sachverständigen erstellt, der schon damals nicht als Psychologe zugelassen war.

Darin wurde der Mutter die Erziehungsfähigkeit abgesprochen und ihr vorgeworfen, ihr Kind übermäßig zu behüten.

Daraufhin wurde das Kind in eine Pflegefamilie gegeben und durfte die Mutter nur noch alle zwei Wochen sehen - bei einer solchen Gelegenheit verschwand die Frau mit dem Jungen.

Fotos: Privat/Ellen Liebner, dpa


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0