Nach über 20 Jahren aufgeflogen: Frau gab sich als Psychiater aus

Großbritannien/Neuseeland - Die Neuseeländerin Zholia Alemi (56) gab sich als Psychiater aus und behandelte über 22 Jahre behinderte und psychisch kranke Menschen in Großbritannien. 2018 flog sie auf.

Nach über 20 Jahren flog Zholia Alemi (56) auf.
Nach über 20 Jahren flog Zholia Alemi (56) auf.  © Screenshot/Twitter/nzherald

Zholia Alemi (56) kam vor über 22 Jahren von Neuseeland nach Großbritannien. Dort angekommen gab sie sich laut britischer Medien als Psychiaterin aus, mit einem Abschluss und einem Zeugnis der Auckland Universität/Neuseeland. Das war 1992.

Zu ihrem Glück und zum Pech der Patienten wurden ihre Abschlüsse niemals kontrolliert. Seit 1995 soll sie über Tausend Patienten behandelt haben.

Der Fall wurde im Oktober 2018 bekannt, als die Fake-Ärztin aufflog, weil sie laut Daily Mail den letzten Willen einer an Demenz erkrankten 84-jährigen Patientin gefälscht hatte, um sich ihr Vermögen von 1,3 Millionen Pfund einzuheimsen. Dafür sitzt sie fünf Jahre im Gefängnis.

Jetzt wurden neue Details bekannt, wie neuseeländische Medien berichten.

Über 20 Jahre diagnostizierte und behandelte die Möchtegernpsychiaterin ihre verletzlichen Patienten. Sie gab wohl an 164 Patienten starke Medikamente aus und traf lebensverändernde Entscheidungen für Menschen mit Behinderung.

Zwischen 2014 und 2015 soll sich die Fake-Psychiaterin vor allem um behinderte Kinder gekümmert haben.

Das ging, wegen fehlender Expertise, nicht immer glimpflich aus

Wie viele Patienten unter ihren Fehldiagnosen leiden mussten ist nicht bekannt.
Wie viele Patienten unter ihren Fehldiagnosen leiden mussten ist nicht bekannt.  © Julian Stratenschulte/dpa

Im Jahr 2017 starb einer ihrer Patienten, der nach ihrer Einschätzung alleine leben konnte. Das war aber scheinbar nicht der Fall. Darren King (31) starb an den Folgen eines Anfalls. Nach Aussagen der Eltern gegenüber der BBC verweigerte Zholia Alemi eine erneute Einschätzung des Mannes, um ihn betreuen zu lassen, da dieser nicht immer regelmäßig und selbstständig seine Medikamente nehme.

Unglaublich: Die Fake-Ärztin hätte schon ganze sechs Jahre früher auffliegen können. Sie wurde schon 2012 vom "Medical Practitioners Tribunal Service" verwarnt worden. Allerdings nur, weil sie ein Verkehrsdelikt nicht offen gelegt hatte. Noch viel schlimmer: Sie ließ einen Patienten einweisen, ohne dafür die Befugnis zu haben.

Das flog dann allerdings doch auf und sie durfte 12 Monate nicht arbeiten. Einen Grund, die Ärztin darauf hin dann doch mal genauer unter die Lupe zu nehmen, sahen die verantwortlichen aber dadurch wohl nicht.

Nach Angaben der Universität Auckland hatte sie sogar dort Medizin studiert, das Studium aber nicht beendet.

Es ist möglich, dass es sich bei Zholia Alemi nicht um den einzigen Fall einer Fake-Ärztin handelt. In den 90er Jahren war es in Großbritannien laut Daily Mail nämlich üblich, dass Psychiater nicht weiter überprüft wurden. Die vorgelegten Zertifikate waren zu der Zeit völlig ausreichend.

Die Verantwortlichen des "Norfolk and Suffolk Trust" haben aus ihren Fehlern gelernt, so ein Sprecher: "Wenn wir einen Lebenslauf von einer Agentur erhalten, der sich auf Qualifikationen oder die Erstzulassung in den 90er Jahren bezieht, werden wir dies mit der (Ärztekammer) zur doppelten Überprüfung besprechen."


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