Nach Anschlag: Jetzt spricht der Minister!

Auf die Wohnung von Justizminister Sebastian Gemkow wurde in der Nacht zu Dienstag ein Anschlag verübt.
Auf die Wohnung von Justizminister Sebastian Gemkow wurde in der Nacht zu Dienstag ein Anschlag verübt.

Von Juliane Morgenroth

Dresden - Der feige nächtliche Anschlag auf den Justizminister und seine Familie in Leipzig: Jetzt spricht Sebastian Gemkow (37, CDU) über die Attacke und wie er sie erlebt hat. Aus seiner Wohnung muss er vorübergehend ausziehen.

Mitgenommen, aber gefasst schilderte der Justizminister, wie er die Nacht erlebt hat: „Der Anschlag auf meine Frau, meine beiden Kinder und mich fand um 2.15 Uhr statt“, so Gemkow. Ziel: Seine Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung in der Leipziger Südvorstadt - alle Fenster gehen zur Straßenseite raus.

„Es war ein lautes Knallen und Klirren zu hören. Dadurch wurden wir geweckt, ich habe geschaut was passiert ist. Im Eckzimmer waren alle Scheiben großflächig zerstört. Zwei relativ große Steine sind auch ins Innere des Raums eingedrungen.“

Die Buttersäure, die dann gegen Fenster und Fassade geworfen wurde, habe sich durch die Löcher im Raum dahinter und in der gesamten Wohnung ausgebreitet. „Meine Kinder mussten husten, meine Frau spürte es im Hals“, so Gemkow.

Am Mittwoch äußerte sich Gemkow auf einer Pressekonferenz.
Am Mittwoch äußerte sich Gemkow auf einer Pressekonferenz.

Er habe dann erstmal seine Kinder aus der Wohnung gebracht.

„Wir haben noch Glück gehabt, denn alle Fenster, die nicht durch Jalousien verschlossen waren, waren Ziel dieser Steinwürfe. Auch das Fenster des Kinder- und Schlafzimmers.

Wenn der Stein die Scheibe getroffen hätte, dann wäre das wahrscheinlich im Kinderzimmer gelandet und hätte dann das drei Monate alte Baby und möglicherweise auch meine Tochter schwer verletzten können.“

Ihn mache das persönlich betroffen, weil er an das Gute im Menschen glaube. „Ich bin enttäuscht, weil möglicherweise eine größere Gruppe von Personen billigend in Kauf genommen hat, dass ein Baby schwer zu Schaden kommt.“

Laut Gemkow ist die Wohnung vorerst unbewohnbar. Ob er umzieht, weiß er noch nicht. „Ich bin nicht gewillt, mein Leben davon beeinflussen zu lassen.“

Die Ermittlungen der Polizei zum Anschlag auf die Minister-Wohnung laufen auf Hochtouren.
Die Ermittlungen der Polizei zum Anschlag auf die Minister-Wohnung laufen auf Hochtouren.

Er wolle seine Freiheit nicht einschränken. Es gebe Überlegungen bezüglich seiner Sicherheit, mehr könne er nicht sagen.

Aus welcher Richtung der Anschlag kommen könnte, wisse er nicht, so der Minister. Konkrete Drohungen habe es in letzter Zeit nicht gegeben. Anfeindungen gegen die Justiz als Ganzes gebe es immer wieder.

Einen Zusammenhang mit seinem Engagement für Flüchtlinge auf Lesbos kann er sich nicht vorstellen.

„Ich sehe das, was mir passiert, ist als einen kleinen Baustein von vielen, die ein Bild verdichten von einer Gesellschaft, die zunehmend auf gewalttätige Auseinandersetzung setzt.“

Dies sei eine Bestätigung dafür, dass der Rechtsstaat weiter gestärkt werden müsse.

Fotos: Thomas Türpe (1), Holger Baumgärtner (2)


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