Nach Aufruf zum Stimmungsboykott gegen RB Leipzig: Jetzt spricht Union-Präsident Dirk Zingler

Berlin - Wenn am Sonntag um 18 Uhr der Anpfiff in der Alten Försterei ertönt, wird der eiserne Anhang aus Gründen des Protests schweigen. Während Torwart Rafal Gikiewicz um Verwerfung des Protest-Plans bat, zeigt Union Präsident Dirk Zingler vollstes Verständnis.

Am 21.09.2014 kleideten sich Fans des 1.FC Union Fans in schwarz, um gegen RB Leipzig zu protestieren.
Am 21.09.2014 kleideten sich Fans des 1.FC Union Fans in schwarz, um gegen RB Leipzig zu protestieren.  © dpa/Oliver Mehlis

Es könnte so schön sein. Mit dem Aufstieg des 1. FC Union Berlin erfüllte das Team von Trainer Urs Fischer den langersehnten Bundesliga-Traum vieler Unioner.

Ausgerechnet im ersten Spiel der ersten Saison in Deutschlands Fußball-Beletage müssen die Köpenicker gegen RB Leipzig antreten - einem "Retortenklub" aus Sachsen.

Schon zu Zweitliga-Zeiten zeigte der eiserne Anhang in Darstellungen kreativer Choreografien in direkten Aufeinandertreffen seinen Unmut und die Verachtung bezüglich des Konstrukts rund um Brause-Gigant Red Bull.

Auch das erste Bundesliga-Jahr der Vereinsgeschichte will Unions Fanszene zum Protest nutzen. Die Ultragruppierung "Wuhlesyndikat 2002" informierte: "Es gilt den Protest weiter konsequent ins Stadion zu tragen und zu zeigen, dass wir mit der Idee vom Fußball in Leipzig nicht einverstanden sind."

Als "Zeichen des Unmuts" soll das gesamte Stadion neben einer "optischen Aktion" die ersten 15 Minuten der Partie schweigen. Unions Präsident Dirk Zingler (54) begrüßt die Entscheidung der führenden Ultra-Gruppen.

Am Dienstagabend bewertete Zingler in der "Sondersendung in Rot-Weiß" von Medienpartner Radio eins: "Ich habe in den letzten Wochen immer wieder gesagt, dass wir darauf achten, dass sich Union nicht verändert. Deshalb ist es für mich brutal ehrlich, dass die Szene sagt: Wir verhalten uns in der 1. Liga genauso wie in der 2. Liga. Wir haben klar Position und Haltung gegen Leipzig bezogen in der 2. Liga."

Unions Präsident Dirk Zingler begrüßt die Entscheidung der führenden Ultra-Gruppen.
Unions Präsident Dirk Zingler begrüßt die Entscheidung der führenden Ultra-Gruppen.  © dpa/Jörg Carstensen

Trotz allem Verständnis wird auch Unions-Präsident den lautstarken Support von den Rängen vermissen. "Es ist schmerzhaft für uns, dass es am ersten Spieltag ist. Vielleicht ist es deshalb auch besonders stark, es wirklich in den ersten 15 Minuten zu machen. Die Ultras haben den Verein an ihrer Seite."

Auch in der Mannschaft löst der Boykott-Plan des eisernen Anhangs verschiedenste Ansichten aus.

Konträr der Meinung des Präsidenten ist Torhüter Rafal Gikiewicz (31), der am Wochenende seinen Unmut via Instagram äußerte. "Ich will einfach nur MIT EURER HILFE gewinnen. Ihr könnt alles machen, aber ein Boykott wird uns nicht helfen. Wir brauchen Eure Euphorie, Eure Gesänge, Eure Anfeuerungen!!!" (Rechtschreibung übernommen, Anm. d. Red.)

Unions polnischer Goalie erhielt nach Absetzen des Posts sowohl Rückendeckung als auch enormen Gegenwind der User.

Auch Rapper Finch Asozial, bekennender Union-Fan, kommentierte den Beitrag mit den kritischen Worten: "Bevor man sowas hier postet sollte man sich vielleicht von seinen Mitspielern mal aufklären lassen wofür Union steht und warum so eine Aktion gegen RB so wichtig ist! Der Tag an dem wir aufhören gegen solche Konstrukte zu kämpfen, ist der Tag an dem der Fussball stirbt!" (Rechtschreibung übernommen, Anm. d. Red.)

Top-Transfer Neven Subotic (30) äußerte sich ebenfalls zur umstrittenen Boykott-Debatte und bewertete: "Es gibt viel zu wenig solcher Proteste. Unsere Fans beziehen eine klare Position. Ich stelle mich hinter unsere Fans."

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