So wurde die Mutter eines toten Babys nach der Geburt zur Heldin

Neillsville (USA) - Sierra Strangfeld erlebte wohl das Schlimmste, was einer Mutter passieren kann. Ihr Kind verstarb nur drei Stunden nach der Geburt. Doch trotz aller Trauer, wollte sie anderen Müttern helfen und spendete ihre Muttermilch.

Knapp 15 Liter Muttermilch spendete Sierra Strangfeld für bedürftige Babys.
Knapp 15 Liter Muttermilch spendete Sierra Strangfeld für bedürftige Babys.  © Screenshot/Facebook/Sierra Strangfeld

Ihre traurige Geschichte begann, nachdem Sierra Strangfeld im März erfahren hatte, dass sie zum zweiten Mal schwanger war. Ihre Ärzte stellten im fünften Monat fest, dass das noch ungeborene Kind einen seltenen Gen-Defekt hat. Trisomie 18.

Die Überlebenschancen mit dieser schweren Behinderung sind sehr gering. Die kleinen Patienten werden durchschnittlich nur zwei Wochen alt. Lediglich fünf Prozent erreichen das erste Lebensjahr und nur ein Prozent der betroffenen Kinder werden zehn Jahre alt. (Quelle: netdoktor.de)

Das Baby kam schließlich zwei Monate zu früh per Kaiserschnitt auf die Welt. Am 5. September feierte der kleine Samuel Lee seinen Geburtstag. Leider nur drei Stunden lang. Dann verstarb er in den armen seiner Mutter.

"Samuel verließ meine Arme nur einmal, als er einen Sauerstoffschlauch bekam, sonst verbrachte er diese drei Stunden bei uns. (...) Es war, als wüsste er, dass er bei seiner Mutter war", erzählte die tapfere Mutter "Today".

Nach nur drei Stunden auf der Welt verstarb Samuel Lee.
Nach nur drei Stunden auf der Welt verstarb Samuel Lee.  © Screenshot/Facebook/Sierra Strangfeld

Da Sierra Strangfeld auch schon Muttermilch produzierte, beschloss sie diese nicht zu "vergeuden", sondern anderen Müttern zu helfen und so das Leben vieler Babys zu retten.

"Ich konnte sein Leben oder seinen Tod nicht kontrollieren, aber ich konnte kontrollieren, was ich danach tat."

Also begann sie abzupumpen. Zwei Monate lang. So sollen knapp 15 Liter Milch zusammengekommen sein, die sie dann an eine sogenannte "Milchbank" spendete.

Leicht fiel ihr das natürlich nicht immer: "Pumpen ist nichts für schwache Nerven. Es ist schwer. Geistig und körperlich. Und es ist noch schwieriger, wenn man kein Baby hat".

Wie wichtig solche Spenden aber sein können, erfuhr sie bei ihrem ersten Kind am eigenen Leib. Sie konnte damals ihre Tochter über ein halbes Jahr lang nicht selbst stillen und griff auf Spenden von anderen Müttern zurück.

Ihre anrührende Geschichte teilte sie öffentlich auf ihrer Facebook-Seite.

Darum sind Muttermilchspenden auch in Deutschland so wichtig

Sierra Strangfeld mit einem kleinen Teil der abgepumpten Milch.
Sierra Strangfeld mit einem kleinen Teil der abgepumpten Milch.  © Screenshot/Facebook/Sierra Strangfeld

Muttermilch wird vor allem für Frühchen in Krankenhäusern benötigt, deren Mütter noch keine Milch produzieren.

„Neben vielen wertvollen Nährstoffen enthält die Muttermilch auch Substanzen, die die Körperabwehr stärken und die Reifung der Darmwand beschleunigen“, so Prof. Andreas Flemmer, Leiter der Neonatologie und der Frauenmilch-Spenderbank am Perinatalzentrum München-Großhadern gegenüber "medela".

In Deutschland gibt es zurzeit 24 solcher "Muttermilchbanken", wo Mütter ihre Muttermilch spenden können. Voraussetzungen sind natürlich, dass die Frauen gesund sind, nicht rauchen, trinken oder andere Drogen nehmen.

Und so funktioniert es:

Abgepumpt wird die Milch direkt im Krankenhaus.

Dort wird sie dann getestet, wenn nötig pasteurisiert und schließlich an die Frühchen, oft über eine Magensonde, verfüttert.


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