Nach Echo-Kritik: Plattenfirma beendet Zusammenarbeit mit Farid Bang und Kollegah

Berlin - Eigentlich stellte sich die Plattenfirma Bertelsmann Music Group (BMG) anfangs noch hinter die Skandal-Rapper Farid Bang und Kollegah, trotz all der Echo-Kritik.

Kollegah (33, li.) und Farid Bang (31) rappen bei der 27. Verleihung des Deutschen Musikpreises Echo.
Kollegah (33, li.) und Farid Bang (31) rappen bei der 27. Verleihung des Deutschen Musikpreises Echo.  © DPA

Wie Vorstandschef Hartwig Masuch nun der F.A.Z. erklärt, wird die Kooperation nun mit den Rappern beendet. "Wir hatten den Vertrag über ein Album. Jetzt lassen wir die Aktivitäten ruhen, um die Haltung beider Parteien zu besprechen."

Masuch gibt zu: "Ich finde diese Zeilen auch geschmacklos. Meine Mitarbeiter und ich stehen mit den Künstlern in Kontakt, und die distanzieren sich klar von jeder Form von Antisemitismus. Das tun wir auch."

Wegen der Debatte um den Echo für ein als judenfeindlich kritisiertes Rap-Album will die Plattenfirma BMG eine Kampagne gegen Antisemitismus starten.

Die Musikrechte-Tochter des Medienunternehmens Bertelsmann schiebt das Projekt mit rund 100.000 Euro an, wie BMG am Donnerstag in Berlin mitteilte.

"Gemeinsam mit sachverständigen Organisationen sollen Projekte zur Bekämpfung der besorgniserregenden Entwicklung an Schulen ausgesucht werden", heißt es in einer Pressemitteilung. Der Schwerpunkt dabei soll in Berlin liegen.

Die Bertelsmann Music Group (BMG) hatte in Kooperation mit den Musik-Labels Banger Musik und Alpha Music Empire der Rapper Farid Bang und Kollegah das umstrittene Album "Jung, Brutal, Gutaussehend 3" veröffentlicht. Die Musiker waren in der vergangenen Woche für das Werk mit dem Musikpreis "Echo" ausgezeichnet worden.

Textzeilen wie "Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen" und "Mache wieder mal 'nen Holocaust, komm' an mit dem Molotow" hatten heftige Kritik und eine Debatte um Antisemitismus ausgelöst.

In einer Stellungnahme hatte sich BMG hinter die Künstler gestellt. "Wir nehmen Künstler und künstlerische Freiheit ernst, und wir sagen unseren Künstlern nicht, was ihre Texte enthalten sollten und was nicht", teilte die Tochter des Medienunternehmens Bertelsmann am Mittwoch auf Anfrage in Berlin mit.

Und weiter: "Zweifellos haben einige Songtexte auf JBG3 viele Menschen zutiefst verletzt. Andererseits waren viele Menschen ganz klar nicht so sehr verletzt, insofern, dass es zu einem der meistverkauften Alben des vergangenen Jahres in Deutschland wurde."

Titelfoto: DPA


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