Flugzeug-Absturz mit über 170 Toten: Maschine abgeschossen?

Teheran (Iran) - Nach dem Absturz einer ukrainischen Passagiermaschine im Iran mit mehr als 170 Toten geht die Suche nach der Ursache weiter.

Ein Stück Flugzeugrumpf am Tatort, wo ein ukrainisches Flugzeug mit 176 Menschen am Mittwoch kurz nach dem Start vom Flughafen Teheran abstürzte
Ein Stück Flugzeugrumpf am Tatort, wo ein ukrainisches Flugzeug mit 176 Menschen am Mittwoch kurz nach dem Start vom Flughafen Teheran abstürzte  © dpa/Aref Fathi

Nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj (41) sollten Spezialisten aus Kiew in der Nacht zum Donnerstag zur Absturzstelle fliegen. Sie sollen demnach bei der Suche und Identifizierung von Passagieren der Boeing 737 helfen.

"Sie werden auch hinzugezogen, um die Leichen der Ukrainer zu überführen", sagte das Staatsoberhaupt. Auf seine Anweisung hin hatte die ukrainische Staatsanwaltschaft Ermittlungen eingeleitet.

Die Maschine von Ukraine International Airlines stürzte am Mittwoch kurz nach dem Abflug aus etwa 2400 Metern Höhe auf ein offenes Feld nahe dem Teheraner Vorort Parand ab.

Sie war auf dem Weg von Teheran in die ukrainische Hauptstadt Kiew. (TAG24 berichtete) Nach Angaben beider Länder saßen 176 Menschen in dem Flieger.

Das Außenministerium in Kiew hatte zunächst auch von drei Deutschen gesprochen, die an Bord gewesen sein sollen. Das Auswärtige Amt in Berlin teilte am Mittwochabend mit, dass es zunächst keine Erkenntnisse über Todesopfer aus Deutschland erhalten habe.

Im Fokus der Ermittler stehen nun die letzten Minuten der Maschine. Die iranischen Behörden hatten kurz nach dem Vorfall von einem technischen Defekt gesprochen, ohne aber zu erklären, worauf sie sich bei ihrer Einschätzung berufen.

Irans Präsident Hassan Ruhabi (71) forderte später vom Verkehrsministerium und der Luftfahrtbehörde eine lückenlose Aufklärung, wie der Nachrichtensender Chabar berichtete.

Experten warnen vor voreiligen Spekulationen

Sergej Burdiljak (Mitte), ukrainischer Botschafter im Iran, steht an der Absturzstelle der ukrainischen Passagiermaschine.
Sergej Burdiljak (Mitte), ukrainischer Botschafter im Iran, steht an der Absturzstelle der ukrainischen Passagiermaschine.  © dpa/ZUMA Wire/Rouzbeh Fouladi

"Die Erfahrung lehrt, dass vorschnelle Einschätzungen oft daneben liegen", sagte der Luftfahrtexperte Cord Schellenberg (51) dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Donnerstag). "Wir sollten die ersten offiziellen Untersuchungsergebnisse abwarten, die laut internationalen Vereinbarungen in 30 Tagen vorliegen müssen."

Selenskyj hatte ebenfalls vor Spekulationen gewarnt. Ungeprüfte Informationen sollten nicht weitergegeben werden, sagte er. Nach Angaben der iranischen Staatsanwaltschaft wurden die beiden Blackboxen mit den Flugdaten geborgen.

Von ihnen erhoffen sich die Experten Aufschluss zur Ursache. Laut Airline wurde die Boeing, die die Fluggesellschaft nach eigenen Angaben erst 2016 in den Dienst genommen hat, erst am vergangenen Montag überprüft.

Weltweit wollen mehrere Fluggesellschaften den iranischen Luftraum umfliegen. Die US-Luftfahrtbehörde FAA hatte Airlines aus ihrer Heimat bereits vor dem Absturz untersagt, überhaupt noch über den Irak, den Iran, den Persischen Golf und den Golf von Oman zu fliegen.

Der Iran hatte in der Nacht zu Mittwoch US-Militärstützpunkte im Irak mit Raketen angegriffen. Die FAA begründete das Flugverbot für zivile Flugzeuge aus den USA mit der erhöhten militärischen Aktivität und wachsenden politischen Spannungen.

Ob ein Zusammenhang zwischen dem Absturz der ukrainischen Maschine und der militärischen Eskalation des Konflikts zwischen dem Iran und den USA besteht, war zunächst völlig unklar.

Update 18.08 Uhr: Ukraine-Airlines-Flieger wurde versehentlich abgeschossen

Die bei Teheran abgestürzte ukrainische Passagiermaschine könnte US-Medienberichten zufolge von einer iranischen Flugabwehrrakete getroffen worden sein. US-Regierungsbeamte hielten dies für hoch wahrscheinlich, berichtete der TV-Sender CBS am Donnerstag unter Berufung auf namentlich nicht genannte Quellen. Das Nachrichtenmagazin "Newsweek" berichtete unter Berufung auf zwei Pentagon-Mitarbeiter, dies sei versehentlich geschehen.

Update 14.40 Uhr: Iran weist Spekulationen über Abschuss zurück

Nach dem Absturz der ukrainischen Passagiermaschine mit mehr als 170 Toten hat der Iran Spekulationen über einen Abschuss des Flugzeugs zurückgewiesen. Die Behörden bekräftigten am Donnerstag erneut, dass eine technische Ursache zu der Katastrophe geführt habe.

"Wegen eines technischen Defekts hat die Maschine Feuer gefangen, und dies führte zum Absturz", sagte Verkehrs- und Transportminister Mohammed Eslami der Nachrichtenagentur Isna. Die Ukraine schließt hingegen einen Raketenangriff oder einen Terroranschlag als Ursache nicht aus.

Die Behörden im Iran hatten bereits kurz nach dem Absturz am Mittwoch von einem technischen Defekt gesprochen, ohne aber zu erklären, worauf sie sich dabei beriefen.

Irans Präsident Hassan Ruhani forderte vom Verkehrsministerium und der Luftfahrtbehörde eine lückenlose Aufklärung. Eslami sagte, die Spekulationen über einen "verdächtigen" Absturz und die Gerüchte über einen Abschuss der Boeing 737 oder über eine Terroroperation seien falsch.

Die Ermittler wollen nun den kurzen Flug von Teheran in die ukrainische Hauptstadt Kiew rekonstruieren. In einem am Donnerstag veröffentlichten vorläufigen Bericht der iranischen Luftfahrtbehörde heißt es, die Maschine habe versucht, zurück zum Flughafen zu fliegen.

Augenzeugen hätten berichtet, die Maschine habe gebrannt. Als sie am Boden aufschlug, sei sie explodiert - wohl weil das Flugzeug große Mengen Kerosin getankt hatte.

Der Partner von Julia Sologub, Besatzungsmitglied der ukrainischen Flugzeugs, das am Stadtrand von Teheran abstürzte, küsst ein Porträt von ihr an einer Gedenkstätte im internationalen Flughafen Borispil außerhalb von Kiew.
Der Partner von Julia Sologub, Besatzungsmitglied der ukrainischen Flugzeugs, das am Stadtrand von Teheran abstürzte, küsst ein Porträt von ihr an einer Gedenkstätte im internationalen Flughafen Borispil außerhalb von Kiew.  © dpa/AP/Efrem Lukatsky

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