Nach Lynchjustiz: Polizei prüft TV-Bericht über Pädophile

Bremen - Nach den lebensgefährlichen Schlägen auf einen 50-Jährigen in Bremen will die Staatsanwaltschaft einen TV-Bericht genau unter die Lupe nehmen.

Katja Burkard moderiert regelmäßig die Sendung "Punkt 12" auf RTL. (Archivbild.)
Katja Burkard moderiert regelmäßig die Sendung "Punkt 12" auf RTL. (Archivbild.)  © RTL

Nach Aussagen von Zeugen hätten die Täter das Opfer nach einem Beitrag über Pädophile in der RTL-Sendung "Punkt 12" aufgesucht, sagte der Sprecher der Bremer Staatsanwaltschaft, Frank Passade, am Donnerstag.

In der RTL-Reportage hatte sich ein Reporter in einem bei Pädophilen beliebten Internetportal als Mädchen ausgegeben. Bei ihm meldete sich nach Angaben des Senders ein Mann, der sich mit dem Mädchen treffen wollte. An dem Treffpunkt auf einem Vorplatz von Geschäften tauchte ein Mann auf, der sich auffällig verhielt. Als der Reporter den Mann später konfrontieren wollte, war dieser plötzlich verschwunden.

Die Täter sind den Ermittlungen zufolge der Ansicht gewesen, den Mann in dem Bericht erkannt und dessen Adresse identifiziert zu haben.

Ein Irrtum: Das Opfer war nach Angaben der Ermittler nicht derjenige aus dem Video. RTL entfernte den Beitrag aus dem Internet. Ein Sprecher wies aber darauf hin, dass man die journalistische Sorgfaltspflicht in jeder Hinsicht gewahrt habe. Im Beitrag habe es keinerlei Hinweise auf den Ort oder eine vermeintliche Adresse des mutmaßlichen Pädophilen gegeben, teilte der Sprecher weiter mit. Er betonte: "RTL verurteilt den brutalen Akt der Lynchjustiz in Bremen auf das Schärfste."

Eine Gruppe von sieben bis zehn Menschen habe sich nach der Fernsehsendung am Dienstagmittag an der Wohnung des 50-Jährigen versammelt, sagte Passade. Der Mob schlug den Mann so heftig zusammen, dass er zeitweise in Lebensgefahr schwebte (TAG24 berichtete).

"Ob tatsächlich alle an der Tathandlung beteiligt waren, müssen wir klären", sagte Passade. In welchen Verhältnis die Angreifer zum Opfer standen und ob ihre Identitäten bekannt sind, wollte er nicht sagen.

Die Polizei sucht jetzt nach den Verdächtigen und ermittelt wegen eines versuchten Tötungsdeliktes.


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0