Nach Lynchjustiz: Staatsanwaltschaft leitet Vorermittlungen gegen RTL ein

Bremen - Im Fall der Lynchjustiz in Bremen hat sich ein Verdächtiger gestellt (TAG24 berichtete). Der Deutsche habe zugegeben, zusammen mit weiteren Männern am Dienstag einen 50-Jährigen in seiner Wohnung zusammengeschlagen zu haben.

Katja Burkard ist regelmäßig als Moderatorin der Sendung "Punkt 12" tätig. (Archivbild.)
Katja Burkard ist regelmäßig als Moderatorin der Sendung "Punkt 12" tätig. (Archivbild.)  © RTL

Mehrere Männer hatten das Opfer für einen Pädophilen gehalten, der angeblich in einem Bericht der RTL-Sendung Punkt 12" zu sehen gewesen war (TAG24 berichtete). Tatsächlich hatte der Überfallene überhaupt nichts mit dem Bericht zu tun.

Und auch ein anderer Mann, der tatsächlich im TV-Beitrag auftauchte, hat mit der Pädophilenszene laut Polizei nichts zu schaffen. Dieser bei RTL gezeigte Mann wandte sich noch am Tag der Ausstrahlung an die Polizei, wie eine Sprecherin sagte.

Die Staatsanwaltschaft leitete nun ein Vorermittlungsverfahren gegen den Privatsender ein. Dabei werde ein möglicher Anfangsverdacht für eine Straftat geprüft, sagte Passade. Das Verfahren richte sich nicht gegen eine bestimmte Person. Das von RTL zur Verfügung gestellte TV-Material werde in strafrechtlicher Hinsicht bewertet.

In Vorermittlungen prüft die Staatsanwaltschaft, ob sie ein formelles Ermittlungsverfahren einleitet. Ob das geschieht, ist auch in diesem Fall offen.

Nach Angaben von Passade sei die gefilmte Gegend für Menschen aus der Nachbarschaft klar erkennbar gewesen. RTL-Sprecher Matthias Bolhöfer wollte die Vorermittlungen nicht kommentieren, weil der Sender noch nicht von der Staatsanwaltschaft darüber informiert worden sei. RTL habe sich allerdings nichts vorzuwerfen, sagte Bolhöfer. "In dem Beitrag ist zu keinem Zeitpunkt behauptet worden, dass der Mann pädophil ist. Wir haben nur die Recherche abgebildet", betonte er. Zudem sei der Mann verpixelt worden, um ihn unkenntlich zu machen.

In der RTL-Reportage hatte sich ein Reporter in einem bei Pädophilen beliebten Internetportal als Mädchen ausgegeben. Bei ihm meldete sich nach Senderangaben ein Mann, der sich mit dem Mädchen treffen wollte. Am Treffpunkt tauchte der Mann auf, der sich später bei der Polizei meldete.

Nach Angaben des RTL-Sprechers habe sich der Mann auffällig verhalten und sei dann plötzlich verschwunden. "Es ist uns nicht gelungen, ihn zu konfrontieren, so dass die Situation hätte aufgeklärt werden können", sagte Bolhöfer. Wortwörtlich heiße es in dem Bericht: "Wir können nur mutmaßen. Aber hier enden vorerst unsere Möglichkeiten."

Der betroffene Mann gab gegenüber den Ermittlern an, vom Fernsehteam verfolgt worden zu sein. "Der Autor des Beitrags hatte nicht den Eindruck, dass der Mann sich verfolgt gefühlt hat", sagte der RTL-Sprecher.


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