Nach Skandalen und drohender Insolvenz: Wird "Wege durch das Land" gerettet?

Das Kultur-Festival findet jährlich mit Musik und Literatur statt.
Das Kultur-Festival findet jährlich mit Musik und Literatur statt.

Detmold - In letzter Zeit sah es nicht gut aus für die Zukunft des Literatur- und Musikfestes "Wege durch das Land". Erst war die Staatsanwaltschaft Detmold hinter der ehemaligen Geschäftsführerin der gleichnamigen Gesellschaft her, dann drohte die Insolvenz.

Jetzt sichern die Gesellschafter das Fest kurzfristig finanziell ab. Um die Gesellschaft auch für das Jahr 2017 auf eine gesunde und solide Basis zu stellen, wird in Kürze die derzeitige Interimsgeschäftsführung beendet und ein neuer kaufmännischer Geschäftsführer bestellt, der die gGmbH professionell weiterführen wird. Der neue Geschäftsführer wird auf der Gesellschafterversammlung am 5. April vorgestellt.

Gesellschafter sind die Stadt Bielefeld, die Kreise Höxter, Lippe, Gütersloh, Minden-Lübbecke sowie Paderborn, der Landesverband Lippe und das Literaturbüro OWL.

Rückzahlungen sollen durch das Eintreten einer Versicherung reduziert werden. Pro Gesellschafter werden Beträge von maximal 30.000 Euro gezahlt. 15.000 Euro sollen sofort fließen, um die Liquidität zu sichern.

2009 las der österreichische Autor und Büchner-Preisträger Walter Kappacher bei "Wege durch das Land" im Haus Aussel in Rheda-Wiedenbrück.
2009 las der österreichische Autor und Büchner-Preisträger Walter Kappacher bei "Wege durch das Land" im Haus Aussel in Rheda-Wiedenbrück.  © DPA

Die Kreise Gütersloh, Höxter, Lippe, Minden-Lübbecke und Paderborn sowie die Stadt Bielefeld haben entsprechende Summen, überwiegend durch Dringlichkeitsentscheidungen, bereits bereitgestellt. Bei allen anderen Gesellschaftern folgen die Beschlüsse in den kommenden Tagen beziehungsweise Wochen.

Paderborns Landrat Manfred Müller, der sich als Sprecher der Landräte in die Verhandlungen mit der Bezirksregierung und die Koordination der kurzfristig zu fassenden Beschlüsse der Gesellschafter eingeschaltet hatte, betonte, die Gespräche "seien auf einem guten Weg".

Die Beteiligten sind sich einig, dass das Festival ein kulturelles Leuchtturmprojekt ist, dessen Strahlkraft weit über die regionalen Grenzen hinaus reicht. Einen solchen Standortfaktor dürfe man nicht ohne Not aufgeben.

Das Literaturbüro OWL kann aufgrund komplexer Fördermodalitäten seinen Anteil an den Rückzahlungen derzeit nicht leisten. Hier werden die anderen Gesellschafter zunächst in Vorleistung treten. Die Rückforderungen für den Zeitraum 2010 bis 2012 sind beglichen.

Das Literatur- und Musikfest wird wie geplant vom 25. Mai bis 13. August stattfinden.

Erst vor Kurzem wurde die ehemalige Geschäftsführerin der Wege durch das Land gGmbH vom Vorwurf, sie habe vergaberechtswidrige Aufträge - unter anderem an ihren Ehemann - vergeben, entlastet. Die Staatsanwaltschaft Detmold sah davon ab, Anklage zu erheben.


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