Nach Teilnahme an Protesten: Dresdner Student soll Indien verlassen

Chennai/Neu Delhi (Indien) - Einem Physikstudenten aus Dresden soll nach eigenen Angaben während seines Austauschjahrs in Indien die Ausreise nahegelegt worden sein, nachdem er an Protesten gegen ein neues Einbürgerungsgesetz teilgenommen hatte.

In Indien gibt es aktuell große Proteste gegen ein neues Einbürgerungsgesetz.
In Indien gibt es aktuell große Proteste gegen ein neues Einbürgerungsgesetz.  © Manish Swarup/AP/dpa

“Die Ausweisung ärgert mich natürlich, da ich in Indien gute Freundschaften geschlossen habe und gerade ein spannendes Forschungspraktikum beginnen sollte“, schrieb der 24-Jährige der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag.

Indiens Außenministerium und Ausländerbehörde reagierten zunächst nicht auf Anfragen. Vom Auswärtigen Amt hieß es, dass der Fall bekannt sei.

Gemeinsam mit Zehntausenden Indern hatte der Student nach eigenen Angaben in den vergangenen Tagen gegen ein neues Gesetz protestiert, das es vielen illegal eingereisten Migranten aus drei mehrheitlich muslimischen Nachbarländern erleichtert, die indische Staatsbürgerschaft zu erhalten - wenn sie keine Muslime sind.

Die Polizei ging mehrfach mit Tränengas und Schlagstöcken gegen Protestanten vor, es gab laut Polizeiangaben mindestens 23 Tote.

Die Demonstranten befürchten, dass Muslime zu Bürgern zweiter Klasse werden und dass sich die größte Demokratie der Welt zunehmend in ein autokratisches Regime verwandelt.

Indische Medien zeigten Bilder und Videos des Studenten, wie er ein Poster mit einem Nazi-Vergleich hochhielt: “1933-1945, wir waren schon mal dort“ und ein anderes mit der Aufschrift «Uniformierte Kriminelle=Kriminelle» hochhielt. Außerdem gab er indischen Journalisten Interviews. Videos und Fotos davon verbreiteten sich rasch im Internet.

Seit vergangenem Sommer studierte er am Indian Institute of Technology-Madras in der Stadt Chennai. Er wollte eigentlich ein Jahr lang bleiben, wie der Vorsitzende seiner Austauschuniversität, Mahesh Panchagnula, sagte.

Der Student schrieb der dpa, er sei aufgefordert worden, am Montag zu einem Treffen mit Mitarbeitern der Einwanderungsbehörde zu kommen. Dort habe er mit einer Mitarbeiterin auch über die Proteste gesprochen.

Kurz darauf habe sie ihn aufgefordert, Indien sofort zu verlassen. "Sie betonte, dass die Regierung dieses Landes meine Anwesenheit für unpassend hielt", schrieb er. Der Student plant, Indien in der Nacht auf Mittwoch zu verlassen.

Der Dresdner Student wollte für ein Jahr im indischen Chennai studieren (Symbolbild).
Der Dresdner Student wollte für ein Jahr im indischen Chennai studieren (Symbolbild).  © 123RF gagarych

Titelfoto: Manish Swarup/AP/dpa

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