Nach vielen Niederlagen: Joe Biden gewinnt erstmals Vorwahl der Demokraten

Washington (USA) - Nach drei Niederlagen im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der US-Demokraten hat Ex-Vizepräsident Joe Biden (77) erstmals eine Vorwahl gewonnen.

Joe Biden (77) mit seiner Frau Jill Biden. (Archivbild)
Joe Biden (77) mit seiner Frau Jill Biden. (Archivbild)  © dpa/AP/Gerald Herbert

Joe Biden erklärte sich am Samstagabend (Ortszeit) zum Sieger der wichtigen Vorwahl im Bundesstaat South Carolina. "Wir haben gerade gewonnen, und wir haben wegen Euch deutlich gewonnen", sagte er am Samstagabend vor Anhängern in South Carolinas Hauptstadt Columbia.

Prognosen von TV-Sendern sahen Biden (77) mit nicht einholbarem Vorsprung vor Senator Bernie Sanders (78), der in landesweiten Umfragen Spitzenreiter ist.

Sanders gratulierte seinem Konkurrenten zu dessen Sieg. "Heute Abend haben wir in South Carolina nicht gewonnen", sagte Sanders bei einer Wahlkampfveranstaltung in Virginia Beach im Bundesstaat Virginia. "Ich will Joe Biden zu seinem Sieg heute Abend gratulieren."

Bidens Sieg dürfte fulminant auszufallen: Nach vorläufigen Teilergebnissen der Wahlkommission South Carolinas vom Samstagabend (Ortszeit) konnte Biden rund 50 Prozent der Stimmen auf sich vereinen. Sanders lag demnach bei rund 19 Prozent.

Die Vorwahl in South Carolina war die letzte vor dem "Super Tuesday" am kommenden Dienstag. Dann wird in mehr als einem Dutzend Bundesstaaten gewählt.

Dabei werden mehr als ein Drittel aller Delegierten vergeben, die im Sommer den Kandidaten der Demokraten bestimmen.

Joe Biden: "Wir sind sehr lebendig"

Donald Trump (73) küsst die amerikanische Flagge
Donald Trump (73) küsst die amerikanische Flagge  © dpa/AP/Jose Luis Magana

Dieser Kandidat wird am 3. November gegen den republikanischen Amtsinhaber Donald Trump in die Wahl ziehen. Trump selbst hat keine ernstzunehmende parteiinterne Konkurrenz. Die Republikaner haben daher ihre Vorwahlen in South Carolina und in mehreren anderen Bundesstaaten abgesagt.

In South Carolina konnten deutlich mehr schwarze Wähler abstimmen als bei den bisherigen Vorwahlen in den Bundesstaaten Iowa, New Hampshire und Nevada. Biden baute darauf, bei dieser Wählergruppe punkten zu können. Diese Hoffnung erfüllte sich.

Biden war Vizepräsident unter Trumps Vorgänger Barack Obama, dem ersten schwarzen Präsidenten in den Vereinigten Staaten. Im Fall einer Niederlage Bidens in South Carolina war über ein Ende seines Wahlkampfs spekuliert worden.

Biden bedankte sich bei den Wählern in South Carolina. "Vor wenigen Tagen haben die Presse und Experten diese Kandidatur für tot erklärt", fügte der Ex-Vizepräsident hinzu. "Wir sind sehr lebendig."

Es ist der erste Sieg Bidens, der sich in den drei bisherigen Vorwahlen der Demokraten nicht hatte durchsetzen können. In landesweiten Umfragen führt Sanders (78) das Feld der Bewerber um die Kandidatur der Demokraten weiter an.

Sanders hat bislang zwei Vorwahlen gewonnen. South Carolina war die vierte.

Weitere Bewerber um Präsidentschaftskandidatur der Demokraten

Die demokratischen Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur Bernie Sanders (78,l.) und Joe Biden (77).
Die demokratischen Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur Bernie Sanders (78,l.) und Joe Biden (77).  © dpa/AP/Matt Rourke

Biden war als Hoffnungsträger moderater Demokraten ins Rennen gegangen. Er hatte die landesweiten Umfragen der Bewerber um die Kandidatur lange angeführt, bevor er an der Spitzenposition von Sanders abgelöst wurde.

Bei den bisherigen Vorwahlen war Biden weit unter den Erwartungen geblieben. In Iowa war er nur auf den vierten Platz gekommen, in New Hampshire sogar nur auf Rang fünf.

Neben Biden und Sanders - der sich als demokratischen Sozialisten bezeichnet - sind nach der Vorwahl in South Carolina noch fünf weitere Bewerber im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten:

Der frühere New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg (78), der Ex-Bürgermeister von South Bend (Indiana), Pete Buttigieg (38), die Senatorin Amy Klobuchar (59), die Senatorin Elizabeth Warren (70) und die Kongressabgeordnete Tulsi Gabbard (38).

Der Milliardär und frühere Hedgefonds-Manager Tom Steyer (62) zog seine Bewerbung nach einem erneuten enttäuschenden Ergebnis in South Carolina zurück.

Steyer sagte am Samstagabend: "Ich sehe keinen Weg, wie ich die Präsidentschaft gewinnen kann."

Die Vorwahlen ziehen sich bis Juni hin

Joe Biden (77). (Archivbild)
Joe Biden (77). (Archivbild)  © dpa/AP/Matt Rourke

Bloomberg trat in South Carolina - wie bei den anderen bisherigen Vorwahlen - nicht an. Der Multimilliardär ist erst spät ins Rennen eingestiegen und steht erstmals am "Super Tuesday" auf den Wahlzetteln. Präsident Trump schrieb am Samstagabend auf Twitter, der Sieg des "schläfrigen" Joe Biden in South Carolina sollte das Ende des "Witzes eines Wahlkampfs" von "Mini Mike Bloomberg" sein.

Buttigieg hatte sich bei der ersten Vorwahl in Iowa Anfang Februar ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Sanders geliefert, war am Ende aber auf etwas mehr Delegierte gekommen. Bei der Vorwahl in New Hampshire konnte sich Sanders knapp gegen Buttigieg durchsetzen. Nevada gewann Sanders dagegen mit deutlichem Vorsprung vor Biden und Buttigieg.

Biden hatte bei einer TV-Debatte der demokratischen Kandidaten in Charleston in South Carolina am Dienstag gesagt: "Ich habe wie der Teufel dafür gearbeitet, die Stimmen der schwarzen Amerikaner zu gewinnen, nicht nur hier, sondern überall im Land."

Auf die Frage, ob er seine Kandidatur auch im Fall einer Niederlage in South Carolina fortführen wolle, antwortete er: "Ich werde South Carolina gewinnen."

Die Vorwahlen ziehen sich bis Juni hin. Auf Nominierungsparteitagen küren Demokraten und Republikaner danach endgültig ihre Präsidentschaftskandidaten - die Demokraten im Juli in Milwaukee (Wisconsin), die Republikaner im August in Charlotte (North Carolina).

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