Sind diese Bilder Nazi-Raubkunst?

Uwe Hartmann (55), Leiter des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste, und Kunsthistoriker Kai Artinger (51) analysieren das Gemälde „Mutter Anna lehrt Maria lesen“ von Christian Vogel von Vogelstein.
Uwe Hartmann (55), Leiter des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste, und Kunsthistoriker Kai Artinger (51) analysieren das Gemälde „Mutter Anna lehrt Maria lesen“ von Christian Vogel von Vogelstein.

Von Doreen Grasselt

Chemnitz - Müssen die Chemnitzer Kunstsammlungen bald weitere Schätze an ihre rechtmäßigen Besitzer zurückgeben? Ein Kunsthistoriker fand heraus, dass mindestens sechs Werke möglicherweise von den Nazis enteignet worden waren.

In den vergangenen 18 Monaten hat Kai Artinger (51) 197 Werke untersucht, die zwischen 1933 und 1945 in die Kunstsammlungen gelangten. Die Herkunft (Provenienz genannt) der meisten konnte der Wissenschaftler problemlos rekonstruieren.

Doch bei 35 Objekten fehlen entscheidende Akten. Sechs davon sind mit großer Wahrscheinlichkeit NS-Raubkunst.

Direktorin Ingrid Mössinger vor dem Bild „Konstantinopel“ von Carl Blechen. Das Werk ist mit hoher Wahrscheinlichkeit NS-Raubkunst.
Direktorin Ingrid Mössinger vor dem Bild „Konstantinopel“ von Carl Blechen. Das Werk ist mit hoher Wahrscheinlichkeit NS-Raubkunst.

Dazu zählt Carl Blechens Gemälde „Konstantinopel“. „Das Bild wurde vom Berliner Kunsthändler Joseph Kern nach Chemnitz verkauft“, erklärt der Wissenschaftler. „Kern war involviert in ,entarteter Kunst‘, hat viele Werke verkauft.“

Auch das Bild „Mutter Anna lehrt Maria lesen“ des Malers Christian Vogel von Vogelstein ist möglicherweise von den Nazis illegal enteignet worden.

„Im Aktenbestand fand sich nur das Kürzel K.A., das sich niemand erklären kann“, sagt der Experte. Das Werk stammt offenbar aus einer Haushaltsauflösung. „Es gibt den Verdacht, aber keinen Beweis, dass es unter Zwang verkauft wurde.“

110 000 Euro Fördergelder hat Artinger für seine Arbeit vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste erhalten. Museums-Chefin Ingrid Mössinger will die Forschungsergebnisse veröffentlichen: „Wenn die Provenienzen geklärt sind, werden die Objekte selbstverständlich an die Nachfahren zurückgegeben.“

Erst vor knapp zwei Jahren ist das Gemälde „Am Klavier“ von Fritz Schider aus dem Jahr 1866 an die Erben zurückgegeben worden.

Fotos: Uwe Meinhold


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