Verwirrung wegen "Junger Pute": Kaufland und Kunde unter Beschuss

"Junge Pute" billiger als Ferrero?
"Junge Pute" billiger als Ferrero?

Neckarsulm - Gans, Pute oder Ente: Traditionell steht Geflügel zu Weihnachten hoch im Kurs. Die Aktionsprospekte der Supermarktketten übertrumpfen sich gerade selbst mit Angeboten. Die kommen jedoch nicht bei jedem so gut an.

Das letzte Kaufland-Prospekt präsentierte kürzlich eine "Junge Pute". Der Preis: 2,99 Euro - vermeintlich für das ganze gerupfte Federvieh: samt Innereien.

Auf Facebook sorgte dies sogleich für einen gehörigen Shitstorm: "Die „Junge Pute“ kostet ein Fünftel im Vergleich zum Ferrero Naschwerk! Nochmal für die, die es noch nicht geschnallt haben: das Fleisch eines Tieres (Lebewesen, Eltern, Gefühle,...), welches irgendwie auf bis zu 6,4 kg gemästet worden ist, ist billiger als industriell gefertigte Schokolade oder Kaffee (der augenscheinlich nicht fair gehandelt ist!)!", schrieb User Thomas vergangenen Donnerstag zornig.

Dazu ein Foto des Prospekts, das auf der linken Seite eine Packung "Die Besten" von Ferrero zeigt, rechts die billigere Pute. Thomas machte diese Werbung sogar so sauer, dass er eine Fleischsteuer fordert, "mit der Garantie diese Gelder in Tierwohl und Abschaffung der Massentierhaltung zu investieren!".

Eine ganze Pute bei Kaufland für 2,99 Euro? Naja...

Das Kaufland-Angebot spaltet das Netz.
Das Kaufland-Angebot spaltet das Netz.  © Thomas Türpe

Doch halt! Wer nämlich genau hinsieht, der liest, dass die ganze Pute keinesfalls nur 2,99 Euro kostet.

Die Summe bezieht sich auf den Kilo-Preis. Für eine durchschnittliches 6-Kilo-Tier, müsste der Kunde also fast 18 Euro bezahlen.

Das bleibt natürlich auch den Usern nicht verborgen. Unter Thomas Beitrag entbrennt eine hitzige Debatte über Fleischpreise. "Man sollte schon erkennen, dass es sich um den Kilopreis handelt, der dennoch viel zu niedrig angesetzt ist, um Qualität zu bekommen", meint Jürgen.

"Der Verbraucher entscheidet, wieviel ihm Fleisch wert ist und entscheidet gleichzeitig über Tierleid und Tierwohl. 2,99 € /kg, da kann sich jeder selbst ausrechnen, wie das Tier gelebt hat", meint Heike. Und Stephanie stellt klar, dass sie beim guten Metzger für ein solches Tier locker fast 12 Euro bezahlt - fürs Kilo.

Das man immer mehr vergisst, wie die Tiere, die bei uns an Weihnachten knusprig aus dem Ofen und auf den Tisch kommen, leben und sterben, hat kürzlich ein Sozialexperiment des WDR gezeigt (TAG24 berichtete). Hier schlachtete ein Landwirt seine Gänse mitten in der Kölner Fußgänger-Zone.

Die kamen jedoch aus guter Freilandhaltung und kosteten mit Sicherheit mehr als 2,99 das Kilo.


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