Negativ-Trend: Immer mehr Schüler rasseln durchs Abitur

Düsseldorf - In den nächsten Wochen wird es für viele Schüler stressig: Die Abi-Prüfungen stehen an. Immer wieder wird beklagt, dass die Abi-Noten einfach zu gut ausfallen - doch auch am anderen Ende gibt es einen unschönen Trend.

2018 rasselten in NRW 3014 Schüler durch ihre Abi-Prüfung.
2018 rasselten in NRW 3014 Schüler durch ihre Abi-Prüfung.  © DPA

Es ist die erste große Prüfung - und sie endet für immer mehr junge Leute mit einer handfesten Enttäuschung: In Deutschland rasseln wieder mehr Schüler durchs Abitur.

In den vergangenen neun Jahren ist die Quote der nicht bestandenen Prüfungen nahezu stetig gestiegen, wie eine Auswertung der Deutschen Presse-Agentur (dpa) zeigt.

Während im Abitur-Jahrgang 2009 laut Statistik der Kultusminister-Konferenz noch 2,39 Prozent der Schüler durchfielen, waren es 2017 bundesweit schon 3,78 Prozent.

Zuletzt scheiterte etwa einer von 26 Prüflingen. Experten kritisieren, dass Schüler schlechte Leistungen vor dem Abitur zu einfach ausgleichen könnten - in der Prüfung dann aber nicht mehr.

Auch in Nordrhein-Westfalen stieg die Quote. Lag sie 2012 noch bei 1,9 Prozent (1611 Schüler), waren es zwei Jahre später schon 2,8 Prozent.

2017 und 2018 rasselten jeweils 3,5 Prozent der Schüler durch die Abi-Prüfung. 2018 waren das 3014 Einzel-Schicksale.

Fast jeder vierte Abiturient hat eine 1 vor dem Komma

Immer mehr Schüler schließen das Gymnasium mit sehr guten Bewertungen ab.
Immer mehr Schüler schließen das Gymnasium mit sehr guten Bewertungen ab.  © DPA

Zugleich aber wird bundesweit auch häufiger die Note 1,0 vergeben. Fast jeder vierte Abiturient hatte 2017 eine 1 vor dem Komma.

Die Abi-Noten werden also extremer. Das verdeutliche die Abhängigkeit des Bildungserfolgs vom Elternhaus der Kinder, sagt der Vorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann.

Bei der einen Gruppe könnten die Eltern die notwendige Förderung und Unterstützung privat organisieren, die anderen fielen "durch den Rost". "Die Schere öffnet sich immer weiter", sagt Beckmann.

Auch in Nordrhein-Westfalen wurde zuletzt immer häufiger die Traumnote 1,0 vergeben. Schafften 2014 noch 1,4 Prozent der Schüler diese Note, waren es 2016 schon 1,7 Prozent. 2017 und 2018 lag die Quote bei jeweils 1,8 Prozent (2018: 1523 Schüler).

Die Vorsitzende des Philologenverbands, Susanne Lin-Klitzing, sieht eher Fehler in der Konzeption des Abiturs. "Im Abitur zeigt sich die Frucht von kontinuierlichem Lernen und kontinuierlichem Leisten - im Positiven wie im Negativen", sagt sie.

Schlechte Leistungen können im Abitur nicht mehr ausgebügelt werden

Schülern werde diese Kontinuität aber nicht abgefordert, manche würden bereits ab der Unter- und Mittelstufe nur versetzt, weil sie schlechte Leistungen in einem Fach durch gute in einem anderen Fach ausbügeln könnten.

"Nur am Schluss, im Abitur, müssen Mathe, Deutsch und eine Fremdsprache verbindlich bestanden werden, da hilft kein Ausgleich mehr", sagt Lin-Klitzing, deren Verband die Gymnasial-Lehrer vertritt.

Insgesamt sind die Abi-Noten in den vergangenen Jahren zwar etwas besser geworden, doch nicht stark.

Den besten Notendurchschnitt gab es im Jahr 2017 in Thüringen mit 2,18, den schlechtesten in Niedersachsen mit 2,57. In Nordrhein-Westfalen lag er bei 2,45 - und war damit fast genauso hoch wie 2013 (2,46).

Die Quote der nicht bestandenen Abitur-Prüfungen zwischen 2007 und 2017.
Die Quote der nicht bestandenen Abitur-Prüfungen zwischen 2007 und 2017.  © DPA

Titelfoto: DPA


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