Wie aus einem Neonazi ein Pfarrer wurde

Johannes Kneifel (33) wurde im Jugendknast vom Neonazi zum Pfarrer.
Johannes Kneifel (33) wurde im Jugendknast vom Neonazi zum Pfarrer.

Zwickau - Es klingt ein bisschen wie im Film: Johannes Kneifel (33) wird in seiner Jugend zum Neonazi. Während eines Gefängnisaufenthalts wandelt er sich zum Christen. Und wird schließlich Pfarrer.

Pfarrer Johannes Kneifel hat es erlebt: Mit 14 Jahren rutscht er in die Neonazi-Szene. Die neuen Freunde geben ihm den Halt, den er in seinem Elternhaus lange vermisst hat.

Doch mit dem Einstieg in die Szene beginnen für den Jungen auch die Probleme. Schnell bestimmen Gewalt und Alkohol sein Leben.

Im August 1999, mit 17 Jahren, dann die schreckliche Tat. Mit einem Freund verprügelt Kneifel einen Nazigegner (damals 44 ) so stark, das dieser später an den Verletzungen stirbt.

Kneifel bekommt fünf Jahre Jugendstrafe.

Für ihn scheinbar die Rettung. Denn im Knast vollzieht der junge Mann eine regelrechte Verwandlung.

Er beginnt eine Ausbildung zum Zerspanungsmechaniker, geht in den Gottesdienst und kommt erstmals mit seinen eigentlichen "Feinden", Migranten und Muslime, in Kontakt. Zu seiner eigenen Verwunderung versteht er sich mit ihnen.

"Das waren eigentlich die Ersten, die mir eine zweite Chance gegeben haben", erklärt der heute 33-Jährige.

Nach seiner Zeit im Gefängnis geht er den eingeschlagenen Weg weiter, macht sein Fachabitur nach und studiert am Theologischen Hochschule in Elstal bei Berlin. Der Gang in die Kirche gehört für ihn damals längst zum Alltag.

Inzwischen wohnt der Theologe in Zwickau, arbeitet und hält Vorträge an Schulen. Denn aus eigener Erfahrung weiß er, "niemand ist davor sicher, in den Extremismus abzugleiten".

Er grübelt: "Vielleicht wäre es anders gekommen, wenn damals jemand gewesen wäre - eine Lehrer etwa- der für Demokratie und Bundesrepublik hätte begeistern können."

Sein Ziel ist es, den jungen Leuten Mut zu machen - Mut sich zu engagieren und die Möglichkeiten der Gesellschaft zu nutzen.

Predigen tut er aber weiterhin. In Zwickau, Leipzig und Glauchau. Dafür bekäme er schon einmal Beifall, berichtet Kneifel.

In Wilkau-Haßlau hätte er sogar eine feste Stelle als Pfarrer bekommen können. Seine Wandlung macht ihn glaubwürdig.

"Er hat uns seinen Werdegang geschildert, die Gemeindemitglieder wissen Bescheid. Er ist ein anderer Mensch geworden", versichert ein Mitglied der Gemeindeleitung.

An seine Tat von damals denkt er heute nicht mehr oft. Er wolle nach vorn schauen, nicht zurück...

Foto: dpa/Julian Stratenschulte


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