Teilten Schüler das Video einer Vergewaltigung? Polizei kontrolliert Handys und erntet Shitstorm

Neu-Anspach - Es ist Freitag, die Schüler der Adolf-Reichwein-Schule (ARS) in Neu-Anspach im Hochtaunuskreis stellen sich in ihren Klassenzimmern schon mental auf das Wochenende ein, da treten Beamte der Kriminalpolizei ein und rufen zur Kontrolle aller Smartphones auf. Doch war diese Aktion erlaubt?

Fotomontage: Die Polizei kontrollierte die Handys der Schüler der Adolf-Reichwein-Schule, laut den Eltern jedoch ohne vorherige Erlaubnis (Symbolbild).
Fotomontage: Die Polizei kontrollierte die Handys der Schüler der Adolf-Reichwein-Schule, laut den Eltern jedoch ohne vorherige Erlaubnis (Symbolbild).  © Montage: DPA/Jens Kalaene, Paul Zinken

Wie ein Sprecher des Polizeipräsidiums Westhessen erst am Mittwoch berichtete, kam es bereits am 31. Januar zu dieser großangelegten Durchsuchungsaktion seitens der Ermittler. Hintergrund war ein Sexualdelikt, dass sich zwei Tage zuvor im Bereich des nahegelegenen Usingen zugetragen hatte.

Ersten Ermittlungen zufolge sollen Aufnahmen dieses Verbrechens angefertigt worden sein, bei denen der Verdacht bestand, dass diese an der ARS per Handy weiterverbreitet wurden. Ob sich der Verdacht bestätigte, wurde nicht bekannt.

"Diese Maßnahmen waren seitens der Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main genehmigt. Über die Schulleitung wurde ein Elternbrief versendet, der über die Maßnahmen informierte", hieß es in den Bericht weiter. Doch genau hieran reiben sich nun die Eltern der betroffenen Schüler auf.

Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter brach ein wahrer Shitstorm über die Polizei herein. Vor allem soll es keinen Elternbrief gegeben haben. So hieß es in einem der Tweets beispielsweise:

  • "Mein Kind erzählte mir, dass Freitag in der Schule 2 Herren der Kripo, bewaffnet mit Pistole im Halfter und Handschellen am Gürtel, waren und alle Handys kontrolliert haben. Alle Schüler der 5 und 6 Stufe mussten die Handys her zeigen. Die Handys wurden nach Bildern in Whats App, Snapchat und in der Gallerie durchsucht. Wir Eltern wurden entgegen der Behauptung, der Elternbeirat hätte uns per Mail informiert, nicht informiert!" *Rechtschreibung übernommen

Eltern der Adolf-Reichwein-Schüler in heller Aufregung auf Twitter

Schnell häuften sich die Reaktionen weiterer Eltern, auch die Polizei Westhessen schaltete sich in die Debatte ein, die auf der Aussage beharrte, dass die Eltern frühzeitig über die Durchsuchung informiert wurden.

Im weiteren Verlauf berichtete der Tweetersteller jedoch von immer mehr Fällen, die von einer ausgebliebenen Benachrichtigung sprachen.

Dementsprechend lauter wurde der Aufschrei der Empörung: "Nein, sowas ist nicht erlaubt. Nein, sowas geht gar nicht. Nein, die Schule ist kein rechtsfreier Raum", hieß es beispielsweise in einem weiteren Tweet zum dem Fall.

Es bleibt abzuwarten, ob es tatsächlich oder nur vereinzelt Benachrichtigungen an die Eltern seitens der Polizei gab, ob die Aktion dennoch grenzwertig oder überhaupt legal war und ob es daraufhin Konsequenzen für die zuständigen Beamten geben wird.

Titelfoto: Montage: DPA/Jens Kalaene, Paul Zinken

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