Nach Ausraster: Mord-Prozess gegen David H. um Leonie (†6) mit Zeugen fortgesetzt

Neubrandenburg - Es war ein emotionaler Prozessauftakt: Der Angeklagte David. H. wird in den Gerichtssaal geführt, hält sich eine Akte vor das Gesicht. Zu viel für den anwesenden leiblichen Vater der getöteten Leonie. Die angespannte Wut der letzten Monate entlädt sich. Oliver E. beschimpft den mutmaßlichen Mörder ("Abartig", "Du Viehzeug"). David H. reagiert mit dem Stinkefinger. Nun ist mit ersten Zeugenvernehmungen am Mittwoch der Mordprozess um den Tod der Sechsjährigen aus Torgelow (Landkreis Vorpommern-Greifswald) fortgesetzt worden.

Der angeklagte Stiefvater hält sich einen Aktendeckel vor das Gesicht und zeigt in Richtung Anklage einen "Stinkefinger", der offensichtlich dem Vater der getöten Leonie gilt, der ihn laut beschimpft.
Der angeklagte Stiefvater hält sich einen Aktendeckel vor das Gesicht und zeigt in Richtung Anklage einen "Stinkefinger", der offensichtlich dem Vater der getöten Leonie gilt, der ihn laut beschimpft.  © Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa

Am zweiten Verhandlungstag sollten am Landgericht Neubrandenburg Rettungskräfte und der Notarzt angehört werden, die Leonie am Abend des 12. Januar leblos im Bett in der Wohnung der Familie fanden.

Nur wenige Augenblicke vorher soll das Kind im Hintergrund eines Telefonats des Stiefvaters mit der Rettungsleitstelle noch geweint haben, was für die Ermittler bisher ein Widerspruch blieb.

Vor Gericht steht der 28-jährige Stiefvater des Mädchens. David H. wird Mord durch Unterlassen und Misshandlung von Schutzbefohlenen vorgeworfen. Um die Misshandlungen zu verdecken, habe der Stiefvater mit Wissen von Leonies Mutter Janine Z. erst später die Retter alarmiert.

Der Angeklagte schweigt bislang vor Gericht zu den Vorwürfen, will aber später aussagen.

Zuvor hatte er als Ursache für Leonies Verletzungen einen Treppensturz angeführt. Auch gegen die Mutter wird ermittelt. Sie soll im Oktober als Zeugin gehört werden.

Vor Beginn des Prozesses wegen Mordes durch Unterlassen und Misshandlung von Schutzbefohlenen in sieben Fällen wird der angeklagte Stiefvater in den Gerichtssaal geführt.
Vor Beginn des Prozesses wegen Mordes durch Unterlassen und Misshandlung von Schutzbefohlenen in sieben Fällen wird der angeklagte Stiefvater in den Gerichtssaal geführt.  © Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dp

Titelfoto: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa

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