Getötete Leonie (†6) aus Torgelow: Neuausrichtung der Arbeit des Jugendamts

Greifswald/Torgelow - Nach dem Tod der sechsjährigen Leonie aus Torgelow hat der Landkreis Vorpommern-Greifswald die Arbeit des Jugendamts in Sachen Kindeswohlgefährdung neu organisiert.

 Kerzen und Plüschtiere stehen vor dem Eingang des Hauses, wo am 12.01.2019 eine Sechsjährige ums Leben kam.
Kerzen und Plüschtiere stehen vor dem Eingang des Hauses, wo am 12.01.2019 eine Sechsjährige ums Leben kam.  © Stefan Sauer/dpa

So wurde der Bereitschaftsdienst-Vertrag mit der Arbeiterwohlfahrt (AWO) gekündigt, wie Kreissprecher Achim Froitzheim am Mittwoch in Greifswald sagte.

Außerdem sollen nun immer zwei Fachkräfte vom Jugendamt und von einem beauftragten Träger zu Ortsterminen fahren, um Kinder in Augenschein zu nehmen.

Damit solle das "Vier-Augen-Prinzip" durchgesetzt werden. Zuvor hatte die "Schweriner Volkszeitung" (Mittwoch) darüber berichtet. Außerdem soll es eine Kooperation mit der Gerichtsmedizin Greifswald zur Begutachtung von Kindern geben. Zudem seien Schulungen geplant und die Kommunikation mit der Polizei solle verbessert werden.

Leonie war am 12. Januar 2019 tot in der Wohnung der Mutter und des Lebensgefährten gefunden worden. Der Stiefvater gab an, dass das Kind eine Treppe hinuntergestürzt sei. Inzwischen muss er sich wegen Mordes durch Unterlassen vor Gericht verantworten.

Er soll auch den zweijährigen Bruder Leonies massiv misshandelt haben. Das Landgericht Neubrandenburg wollte am Donnerstag sein Urteil fällen.

Damals war eine AWO-Mitarbeiterin als Bereitschaftsdienst gerufen worden, hatte aber keine Unregelmäßigkeiten festgestellt und war wieder gefahren. An dem Vorgehen gab es später Kritik. Absprachen seien damals nicht erfüllt worden, erläuterte der Sprecher.

Die Familie war Mitte 2018 von Wolgast nach Torgelow gezogen und war dem Jugendamt vorher nicht aufgefallen. Die Erwachsenen hatten die Kinder über Monate trotz Anmeldung nicht in eine Kita gebracht oder einem Kinderarzt vorgestellt.

Auf dem Friedhof im Zentrum der Stadt liegen Blumen und ein Teddybär auf Leonies Grab.
Auf dem Friedhof im Zentrum der Stadt liegen Blumen und ein Teddybär auf Leonies Grab.  © Stefan Sauer/dpa

Titelfoto: Stefan Sauer/dpa

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