"Dein zweitschlimmster Alptraum": Stiefvater von Leonie (†6) und Nebenkläger erhalten Drohbrief

Neubrandenburg - Am Landgericht Neubrandenburg wird am Donnerstag (9.30 Uhr) der Mordprozess um den Tod der sechsjährigen Leonie aus Torgelow (Vorpommern-Greifswald) mit der erneuten Befragung der Mutter fortgesetzt.

Der angeklagte Stiefvater hält sich eine Mappe vor das Gesicht.
Der angeklagte Stiefvater hält sich eine Mappe vor das Gesicht.

Die 25-Jährige soll wieder unter Ausschluss der Öffentlichkeit über das Geschehen vom 12. Januar und die Situation in der Familie aussagen.

Die Kammer erhofft sich weitere Details darüber, ob der angeklagte Stiefvater das Mädchen vor ihrem Tod misshandelt hat oder nicht.

Auch wird erstmals eine Ermittlungsbeamtin angehört. Von ihr werden Angaben zum Verhalten des Angeklagten und zu dessen Erklärungen erwartet, die dieser in den Vernehmungen gemacht hatte.

Dem 28-jährigen Stiefvater wird Mord durch Unterlassen und Misshandlung von Schutzbefohlenen vorgeworfen. Er soll das Mädchen laut Staatsanwaltschaft dermaßen misshandelt haben, dass es infolge der Verletzungen am 12. Januar starb.

Um die Misshandlungen zu verdecken, habe er erst viereinhalb Stunden nach einem angeblichen Treppensturz des Kindes Rettungskräfte informiert.

Der Mann schweigt bisher vor Gericht und will erst nach der Aussage der Mutter Angaben machen. Bei Vernehmungen hatte er angegeben, dass Leonie mit einem Puppenwagen nachmittags eine Treppe im Hausflur hinabgestürzt sei. Das bezweifeln Ermittler. Die Mutter soll nach Angaben eines Anwaltes an dem Nachmittag nicht zu Hause gewesen sein.

Als sie nach Hause kam und den Zustand ihres Kindes bemerkte, habe sie Hilfe holen wollen, soll aber vom Angeklagten daran gehindert worden sein. Auch gegen die Mutter wird in dem Zusammenhang ermittelt.

Anonymer Drohbrief an Nebenkläger und Anwalt

Der Angeklagte wird in den Gerichtssaal geführt.
Der Angeklagte wird in den Gerichtssaal geführt.  © Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa

Update, 11.23 Uhr

Im Zusammenhang mit dem Mordprozess um Leonie aus Torgelow (Landkreis Vorpommern-Greifswald) ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen eines anonymen Drohbriefs.

Das Schreiben mit Beleidigungen und Drohungen an den leiblichen Vater und seinen Nebenklage-Anwalt war beim Neubrandenburger Landgericht eingegangen und wurde am Donnerstag im Gerichtssaal vorgestellt und übergeben.

Das zweiseitige Schreiben zeige den Nebenkläger - den Vater aus Wolgast - mit seinem Anwalt im Gerichtssaal und daneben eine Pistole.

Darin heiße es unter anderem, wer sein leibliches Kind nicht vor dem Tod bewahren könne, müsse mit Konsequenzen rechnen. Der Nebenkläger werde mit Begriffen wie "dreckiger Bastard" beschimpft. Als Absender sei "Dein zweitschlimmster Alptraum" angegeben.

Die sechsjährige Leonie kam am 12. Januar in Torgelow ums Leben. Sie lebte mit einem Bruder - beides Kinder des Nebenklägers - bei der Mutter und dem Stiefvater. Der Stiefvater ist wegen Mordes durch Unterlassen und Misshandlung von Schutzbefohlenen angeklagt. Er soll das Kind laut Anklage so misshandelt haben, dass es starb, und mit Absicht erst viel später Hilfe geholt haben. Bei der Polizei hatte er angegeben, Leonie sei eine Treppe hinabgestürzt.

Der Vorsitzende Richter wies Wachleute und Gäste nochmals auf die verschärften Sicherheitsvorkehrungen hin. Gäste werden vor Betreten des Saales durchsucht. Sie müssen Handys und andere Geräte eigentlich abgeben. Es gebe aber keinen Anlass, nun die Öffentlichkeit vom gesamten Prozess auszuschließen, sagte der Richter.

Eine Gedenkstätte wurde vor dem Eingang des Hauses eingerichtet.
Eine Gedenkstätte wurde vor dem Eingang des Hauses eingerichtet.  © Stefan Sauer/dpa

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