Neuer Ärger um Förder-Millionen bei Globalfoundries

Im Juli war Kanzlerin Angela Merkel (61, CDU) zum vierten Mal bei Globalfoundries zu Gast. Damals war vom Stellenabbau noch keine Rede.
Im Juli war Kanzlerin Angela Merkel (61, CDU) zum vierten Mal bei Globalfoundries zu Gast. Damals war vom Stellenabbau noch keine Rede.

Dresden - Der Chip-Hersteller Globalfoundries hat Millionen an Fördermitteln erhalten. Das sorgt jetzt für Kritik, denn das Unternehmen will bis zu 800 der 3700 Jobs streichen. Die Gewerkschaft IG BCE spricht gar von 1300 Arbeitsplätzen, die in Dresden auf dem Spiel stehen.

Knapp 37,7 Millionen Euro Fördermittel hat der Chipriese vom Freistaat bekommen. Hinzu kommen Zusagen in Höhe von 14,6 Millionen Euro für die Entwicklung einer neuen Chiptechnologie.

Das teilte Wirtschaftsminister Martin Dulig (41, SPD) auf Anfrage von Nico Brünler (40, Linke) mit. Auflage für einen Teil der Gelder: Die Zahl der Beschäftigten muss fünf Jahre nach Beginn und drei Jahre nach Ende des Bewilligungszeitraumes bei mindestens 50 Prozent jener zum Zeitpunkt der Antragstellung liegen.

Brünler kritisiert die Förderpraxis.

Die Mikroelektronik sei zweifellos eine Schlüsselbranche. „Es muss aber überlegt werden, ob die Fördergelder bei den großen Unternehmen gut angelegt sind oder nicht besser bei kleinen und mittelständischen Unternehmen eingesetzt werden sollten, die nicht selbst Forschung und Entwicklung betreiben können.“

Laut Dulig wurde die Staatsregierung am 1. Oktober über den Stellenabbau informiert. Bei der Bewilligung der Fördergelder für die neue Technologie seien die Pläne nicht bekannt gewesen. Globalfoundries-Chef Rutger Wijburg (53) hatte am 2. Oktober angekündigt, 20 Prozent der Personalkosten einsparen zu müssen, um betriebswirtschaftlich arbeiten zu können.

Anfang Oktober verkündete Globalfoundries-Chef Rutger Wijburg (53) seine Stellenabbau-Pläne. Es gehe um mehr Wettbewerbsfähigkeit.
Anfang Oktober verkündete Globalfoundries-Chef Rutger Wijburg (53) seine Stellenabbau-Pläne. Es gehe um mehr Wettbewerbsfähigkeit.

Harte Landung

Kommentar von Juliane Morgenroth

Der Chipriese Globalfoundries sorgte jahrelang für immer neue Positiv-Meldungen: wieder eine Millionen-Investition, wieder neue Jobs. Daran konnte man sich gewöhnen. Und natürlich flossen Fördermittel. Nun aber will das Unternehmen Hunderte Jobs abbauen, um konkurrenzfähig zu bleiben, wie es heißt. Chips müssten immer billiger produziert werden. Der Standort Dresden sei zu teuer.

Eine harte Landung auf dem Boden der Tatsachen. Denn auch Globalfoundries ist ein Unternehmen, was den Zyklen der Chipbranche unterliegt. Es kann nie immer nur bergauf gehen. Das allein ist noch kein Grund, jetzt sämtliche Fördermittel in Frage zu stellen. Es sei denn, Bedingungen für die Vergabe wurden verletzt. Dem sei aber nicht so, beteuerte das Unternehmen schon im Oktober.

Schwierig ist vor allem der personelle Aderlass. Es herrscht Unruhe, schließlich plant Globalfoundries Massenentlassungen. Am Sonnabend gingen die Mitarbeiter auf die Straße. Jeder, der die Möglichkeit dazu hat, dürfte sich nach Alternativen umsehen. Oder wird abgeworben. Kein gutes Zeichen für „Silicon Saxony“. Auch wenn der Chipriese verspricht, dass es das Unternehmen noch lange in Dresden geben wird und sich für die Zukunft rüstet: Derzeit überwiegen die Fragezeichen.

Fotos: dpa/Arno Burgi, Eric Münch


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0