Neuer Trend: Menstruationsblut einfach laufen lassen

Foto der spanischen Fotografin Isabel Sanz zur Ausstellung "Ich blute, aber ich sterbe nicht".
Foto der spanischen Fotografin Isabel Sanz zur Ausstellung "Ich blute, aber ich sterbe nicht".  © dpa/EPA/Nacho Gallego

Sachsen - Ein neuer Trend macht die Runde: freie Menstruation. Aber ganz ehrlich, wie praktikabel ist es im Alltag, das Blut einfach laufen zu lassen?

In manchen Ländern müssen sich Mädchen und Frauen während ihrer Periode mit schmutzigen Lappen oder Zeitungspapier behelfen. Viele trauen sich auch nicht aus dem Haus - eben weil sie nichts zum Einlegen haben.

In Deutschland entdecken derweil immer mehr Frauen die freie Menstruation für sich.

Das heißt, sie kommen während ihrer Tage ohne Tampons, Binden oder Menstruationstassen aus. Stattdessen achten sie auf die Signale ihres Körpers: Sie spüren, wann der nächste Blutschwall im Anmarsch ist.

Und so geht's: Auf der Toilette entspannt Ihr Euren Beckenboden, zusätzlich könnt ihr das Becken vor und zurück wippen. Eine Massage des Unterbauchs ist ebenfalls hilfreich, um das Blut fließen zu lassen.

Je nach Zyklustag und Blutungsstärke varriiert das Blutablassen zwischen einer Minute und fünf Minuten.

Die Blutschübe kommen mit einem Zeitabstand zwischen zehn Minuten und vier Stunden.

In verschiedenen Foren bejubeln Frauen die freie Menstruation als gesund und praktisch. Denn wer Tampons und Binden benutzt, läuft auch immer Gefahr, dass Keime oder bedenkliche Inhaltsstoffe in die Vagina gelangen. Manche berichten auch, dass sie kaum noch Regelschmerzen hätten, seit sie auf Tampons verzichten.

Weiterer Vorteil: Müllberge werden erheblich reduziert. Für alle, die Wert auf mehr Nachhaltigkeit im Alltag legen, gibt es allerdings auch eine Reihe von anderen Alternativen zu Binden und Tampons. Weit verbreitet sind heutzutage Menstruationstassen. Die glockenförmigen Tassen, die aus weichem medizinischem Silikon bestehen, lassen sich sehr einfach reinigen und sind mehrere Jahre wiederverwendbar. Zudem haben sie den Vorteil, dass sie im Gegensatz zu Tampons die Scheide nicht austrocknen. Darüber hinaus können auch wiederverwendbare Naturschwämme, Stoffbinden oder Periodenunterwäsche als Ersatz zu den konventionellen Monatshygieneartikeln genutzt werden.

Die freie Menstruation funktioniert allerdings nur, wenn man sie beherrscht. Wer gerade beim Sport, im Meeting oder beim Einkaufen ist, hat ein Problem, wenn der nächste Schwall kommt. Für Frauen mit starker Monatsblutung soll die Methode sogar überhaupt nicht geeignet sein.

Unter uns: So richtig funktioniert das Ganze eigentlich nur, wenn wir zu Hause sind. In den Schul- oder Arbeitsalltag lässt sich die freie Menstruation nur schwer integrieren. Eine (saubere) Toilette ist auch nicht überall verfügbar.

Blutige Zwischenfälle können da recht unangenehm werden.

Titelfoto: EPA/Nacho Gallego +++(c) dpa


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