Ja, sie lebt noch! Sachsens SPD will mit "gesunder Wut" kämpfen

Neukieritzsch - Für Sachsens Sozialdemokraten gab es in den letzten Jahren nur eine Richtung: Abwärts! Aktuelle Umfragen sehen die SPD bei etwa 8 Prozent. Wie motiviert man dann die Genossen, nicht mit hängenden Köpfen in den Landtagswahlkampf zu gehen? Parteichef Martin Dulig tat es am Samstag mit teils schmerzhaften Worten - und einer klaren Ansage.

Landeschef Martin Dulig (45) stemmt sich gegen den Negativ-Trend, der seine Partei derzeit in immer neue Umfrage-Tiefen stürzt.
Landeschef Martin Dulig (45) stemmt sich gegen den Negativ-Trend, der seine Partei derzeit in immer neue Umfrage-Tiefen stürzt.  © dpa/Sebastian Willnow

Von 142 geladenen Delegierten waren 117 in die Parkarena Neukieritzsch gekommen. Bedeutet: 17,6 Prozent der Genossen waren dem Programmparteitag vor der Landtagswahl fern geblieben.

17,6 Prozent - für die Sachsen-SPD wäre das am 1. September ein Traumergebnis. Martin Dulig ist jedoch Realist. Auf dem Parteitag gab er die 12,4 Prozent von 2014 als Zielmarke aus.

Zuvor ging er mit dem eigenen Laden hart ins Gericht: Die SPD sei "…ausgelaugt in der Dauer-Großen-Koalition, abgewatscht vom Wähler, selbstzerfleischt im Umgang miteinander", so Duligs Zustandsbeschreibung. Und er warnte die Genossen: "Eine alte, mit sich selbstbeschäftigende Partei wird nicht gebraucht, um die neuen Fragen der Zeit zu beantworten."

Aus dem Frust, den die Sozialdemokraten derzeit schieben, müsse "gesunde Wut" werden, die zum Kämpfen anspornt, forderte Dulig. Kämpfen vor allem um den Anteil der demokratisch gesinnten Nichtwähler. Und für die hat die SPD eine Art visionäre Bauanleitung für ein modernes Sachsen aufgelegt. Titel: "Es ist Dein Land".

Zugeschnitten ist das neue Parteiprogramm vor allem auf junge Familien. Neben der Abschaffung der Kita- und Hortgebühren will die SPD das Bildungssystem in Sachsen gründlich umkrempeln. Längeres gemeinsames Lernen ist die zentrale, für die SPD nicht mehr verhandelbare Forderung. "Entweder das Schulgesetz wird geändert oder wir stimmen einem Koalitionsvertrag nicht zu", so Dulig an alle, die im Herbst auf die SPD als kleinen Regierungspartner setzen.

Die Delegierten konnte Dulig mit seinem Mix aus Kampfansage und Vision schon mal mitreißen. Die Standing Ovations nach seiner Rede waren zumindest ein klares Vitalzeichen einer Partei, die viele schon tot glauben.

Der Wille zum Aufbruch war den Delegierten durchaus anzumerken.
Der Wille zum Aufbruch war den Delegierten durchaus anzumerken.  © dpa/Sebastian Willnow

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