Kinder ertrinken in Dorfteich: Ist der Bürgermeister schuld am Tod dreier Geschwister?

Neukirchen/Schwalmstadt - Wegen des Todes dreier Geschwister steht ab diesem Donnerstag (9.15 Uhr) der Bürgermeister der nordhessischen Gemeinde Neukirchen vor Gericht.

Kuscheltiere und Blumen wurden an der Unglücksstelle abgelegt.
Kuscheltiere und Blumen wurden an der Unglücksstelle abgelegt.  © Jörn Perske/dpa

Klemens Olbrich (CDU) ist wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hätte der Rathauschef einen Dorfteich absichern müssen, in dem im Sommer 2016 zwei Jungen (5 und 9) und ein Mädchen (8) ertranken.

Ein weiterer Bruder hatte seine Geschwister in dem Teich entdeckt. Die Familie verlor drei ihrer seinerzeit sechs Kinder.

Bei der Verhandlung wird es um die Frage gehen, ob es sich bei dem Becken um einen "Löschwasserrückhalteteich" der Kommune im Schwalm-Eder-Kreis handelt.

Dieser hätte mit einem Zaun abgesperrt sein müssen. Es sind bisher vier Fortsetzungstermine vorgesehen.

Prozess wegen ertrunkener Kinder: Bürgermeister weist Verantwortung von sich

Klemens Olbrich (2.v.l.), Bürgermeister von Neukirchen, steht zu Prozessbeginn im Amtsgericht neben seinem Anwalt Karl-Christian Schelzke (l).
Klemens Olbrich (2.v.l.), Bürgermeister von Neukirchen, steht zu Prozessbeginn im Amtsgericht neben seinem Anwalt Karl-Christian Schelzke (l).  © Uwe Zucchi/dpa

Update, 12 Uhr: In dem Prozess um den Tod von drei in einem nordhessischen Dorfteich ertrunkenen Kindern hat der angeklagte Bürgermeister die Verantwortung von sich gewiesen.

"Die Nutzung dieses Teiches obliegt dem allgemeinen Lebensrisiko", sagte Klemens Olbrich (CDU) am Donnerstag vor dem Amtsgericht Schwalmstadt.

Der Rathauschef der Gemeinde Neukirchen (Schwalm-Eder-Kreis) ist wegen fahrlässiger Tötung angeklagt.

Zum Prozessauftakt ging es vor allem um die Frage, um welche Art von Teich es sich handelt. Ein Löschwasser hätte laut Gesetz mit einem Zaun abgesichert werden müssen.

Olbrich gab zwar an, dass das Wasser auch zum Löschen genutzt werden könne. Es handele sich aber nicht um ein extra dafür angelegtes Becken.

"Den Teich gibt es schon seit 200 Jahren", sagte der Bürgermeister.

Ein Schild mit der Aufschrift "Teichanlage - Betreten auf eigene Gefahr. Eltern haften für ihre Kinder." steht an einem Teich im Ortsteil Seigertshausen.
Ein Schild mit der Aufschrift "Teichanlage - Betreten auf eigene Gefahr. Eltern haften für ihre Kinder." steht an einem Teich im Ortsteil Seigertshausen.  © Frank Rumpenhorst/dpa

Titelfoto: Jörn Perske/dpa


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