Naturschutz gebündelt: In diesem Kreis in Sachsen gibt es jetzt eine zentrale Anlaufstelle

Neukirchen - Mehr Nachhaltigkeit, weniger Plastikmüll, raus ins Grüne: Rückbesinnung auf die Natur liegt im Trend. Gleichzeitig gilt jede dritte Tier- und Pflanzenart in Deutschland als gefährdet, bei den Insekten sind es sogar fast 50 Prozent.

Ein Teil der historischen Wassermühle in Neukirchen ist schon saniert.
Ein Teil der historischen Wassermühle in Neukirchen ist schon saniert.  © DPA

Gemeinsam mit seinen Kollegen setzt sich André Oehler, Koordinator der Kreisnaturschutzstation Gräfenmühle im westsächsischen Neukirchen (Kreis Zwickau), für die biologische Vielfalt ein. In der Praxis ist das eine kleinteilige Arbeit: Streuobstwiesen pflegen, Kopfweiden schneiden, ein Storchennest sanieren oder ein neues Zuhause für das graue Langohr, eine Fledermausart, finden. "Naturschutz wurde lange Zeit als freiwillige Aufgabe in der Verantwortung weitergeschoben, bis das Thema hinten runter fiel", sagt Oehler.

Das soll sich im Landkreis Zwickau ändern: 1725 als Wassermühle erbaut, ist das historische Ensemble heute zentrale Anlaufstelle in Sachen Naturschutz. Der Landkreis will neue Wege gehen, die sachsenweit als Vorbild taugen könnten, vor allem mit Blick auf die Vernetzung verschiedener Akteure.

Die Strukturen im Freistaat haben sich nach Angaben des Umweltministeriums sehr unterschiedlich entwickelt. Neben Landkreisen wie Zwickau mit einer zentralen Einrichtung gibt es demnach auch Landkreise mit fünf bis acht Stationen. Der Begriff Naturschutzstation sei gesetzlich nicht definiert, so eine Sprecherin. Nach dem Rückzug der Landkreise als Träger hätten sich verschiedene Vereine etabliert, die sich die vielfältigen Aufgaben teilten.

Ein Insektenhotel auf dem Gelände der Kreisnaturschutzstation.
Ein Insektenhotel auf dem Gelände der Kreisnaturschutzstation.  © DPA

Fünf Natur- und zwei Vogelschutzgebiete, dazu 20 Landschaftsschutzgebiete und mehr als 120 Flächendenkmäler gibt es allein im Kreis Zwickau. Rund 18 Hektar umfasst das Gebiet, das das zehnköpfige Team beackert. Neben der Biotop-Pflege kümmern sich die Naturschützer um Umweltbildung, tragen das Thema Naturschutz in die Öffentlichkeit und vor allem dazu bei, haupt- und ehrenamtliche Akteure deutlich besser zu vernetzen, erklärt René Albani.

Als Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbands Westsachsen (LPV) kämpfte er die letzten fünf Jahre als einziger hauptamtlicher Mitarbeiter an der Naturschutzfront. Erst mit einer neuen Finanzierung im sächsischen Doppelhaushalt 2017/2018 gibt es für solche Stationen eine feste Förderung in Höhe von insgesamt 1,5 Millionen Euro im Jahr. Die Gräfenmühle wird außerdem vom Landkreis unterstützt, unter anderem über zwei Stellen in der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes.

Mit ihren Angeboten zur Umweltbildung erreichte die im Aufbau befindliche Kreisnaturschutzstation im zu Ende gehenden Jahr rund 1000 Kindergarten- und Schulkinder sowie 500 Erwachsene. Das Angebot richtet sich zum Teil bereits an Dreijährige und bringt dem Nachwuchs zum Beispiel heimische Vogelarten näher, aber auch die Bergbau-Landschaft der Region oder den Lebensraum Wasser.

Um den gesamten Landkreis abzudecken, setzt der LPV auf weitere Netzwerkpartner und langjährige Stützpunkte von NABU oder Grüner Liga unter anderem in Kirchberg und Limbach-Oberfrohna.

Am ehrenamtlichen Engagement mangele es nicht, aber häufig am Geld. "Es gibt zwar diverse Förderrichtlinien, aber auch die Vorgabe eines Eigenanteils von 20 Prozent. Das können kleine Vereine oft nicht stemmen, von der komplexen Antragstellung einmal abgesehen", ergänzt Albani.

Die Wassermühle wurde 1725 erbaut und ist heute die zentrale Anlaufstelle in Sachen Naturschutz im Kreis Zwickau.
Die Wassermühle wurde 1725 erbaut und ist heute die zentrale Anlaufstelle in Sachen Naturschutz im Kreis Zwickau.  © DPA

Titelfoto: DPA


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