Das sind die letzten Relikte vom Neumarkt

So eng bebaut war der Neumarkt noch Anfang 1945. Der rote Bereich zeigt das 
Areal der aktuellen Ausgrabungen. 
So eng bebaut war der Neumarkt noch Anfang 1945. Der rote Bereich zeigt das Areal der aktuellen Ausgrabungen.   © SLUB/Deutsche Fotothek

Dresden - Zum letzten Mal überhaupt, wühlen sich Sachsens Archäologen durch den Untergrund am Neumarkt. Noch bis Januar werden die Flächen an der Schloßstraße/Ecke Sporergasse und damit die des einstigen Cäsarschen und Fürstlichen Hauses ausgegraben. Danach sind alle Neumarkt-Flächen untersucht.

"Wir graben an einer der wichtigsten Straßen der Stadt, es war ein exklusives Viertel, hier hat nicht irgendwer gewohnt", erklärt Grabungleiterin Susanne Schöne (41). Die Hoffnungen der Archäologen reichen entsprechend von wertvoller Keramik bis hin zu vergrabenen Münzschätzen.

Unter dem einstigen Fürstlichen Haus wurden zwar noch keine Schätze, dafür aber 800 Jahre alte Kellerreste aus der Gründungszeit der Stadt gefunden. Im winzigen Hof des Hauses stießen die Forscher auf eine ungewöhnlich große Latrine, die üblicherweise mit Abfall und Fäkalien gefüllt wurde.

Christoph Heiermann vom Landesamt für Archäologie zeigt die gefundene Keramik 
aus dem 14. Jahrhundert.
Christoph Heiermann vom Landesamt für Archäologie zeigt die gefundene Keramik aus dem 14. Jahrhundert.  © Petra Hornig

Nebenan wurden die Keller des nach dem Kurfürstlich Sächsischen Kammersekretär Carl Leopold Cäsar benannten Cäsarschen Hauses freigelegt. Eindrucksvoll: der durch das Feuer der Bombenangriffe rot gefärbte Sandstein. 

Der Keller wurde bereits 1936 zum Luftschutzkeller umgebaut. Während der aktuellen Ausgrabungen fanden die Archäologen traurigerweise auch Überreste dort verstorbener Dresdner.

In den nächsten Monaten werden weitere Teile des 7000 Quadratmeter großen Areals freigelegt. Die Forscher hoffen auf neue Spuren der 800 Jahre alten Geschichte Dresdens. Wer sich von den Ausgrabungen selber ein Bild machen will: Am 7. Dezember führen die Archäologen um 16 Uhr über die Baustelle.

Sind die Grabungen abgeschlossen, startet der 36 Millionen Euro teure Neubau. 70 Wohnungen und elf Geschäfte entstehen. Die Fassaden der historischen Gebäude bleiben erhalten, die Seite zum Kulturpalast wird modern gestaltet.

Ob Reste der Ausgrabungen erhalten werden, ist laut Baywobau-Chef Berndt Dietze (73) noch unklar.

Noch bis Januar werden die Flächen an der Schloßstraße/Ecke Sporergasse und damit die des einstigen Cäsarschen und Fürstlichen Hauses ausgegraben. Im Bild: Grabungsarbeiter René Fiedler (52).
Noch bis Januar werden die Flächen an der Schloßstraße/Ecke Sporergasse und damit die des einstigen Cäsarschen und Fürstlichen Hauses ausgegraben. Im Bild: Grabungsarbeiter René Fiedler (52).  © Petra Hornig

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