Frau zieht Opfer aus Wrack: Heldin hat wegen ihres Einsatzes richtig Ärger am Hals

Neumarkt in der Oberpfalz - Es war ein schrecklicher Unfall, in den mehrere Autos involviert waren. Eine Frau zögerte nicht lange, zeigte Zivilcourage und kam involvierten Menschen zur Hilfe. Es sollte für sie ein Einsatz mit Folgen sein.

Bei einem schweren Unfall in Neumarkt wurde eine Frau zur Retterin. (Symbolbild)
Bei einem schweren Unfall in Neumarkt wurde eine Frau zur Retterin. (Symbolbild)  © 123RF/Dmitry Kalinovsky

Denn während die Helferin zwei Verletzte im Juli des vergangenen Jahres nach dem Unfall aus einem völlig demolierten Autowrack, das in der Folge in Flammen aufging, zog, atmete sie giftige Dämpfe ein und trug selbst Verletzungen davon.

Wie die "Mittelbayerische" berichtet, erlitt sie eine Kehlkopf- und Stimmbandverletzung, die von einem Hals-Nasen-Ohren-Arzt in einer Fachklinik für Lungen- und Bronchialerkrankungen im bayerischen Parsberg kurz nach ihrem schnellen und selbstlosen Einsatz diagnostiziert wurde.

Eine Operation war unumgänglich, da die couragierte Frau "kaum mehr" habe reden können, wie das Blatt den Anwalt Peter Ehrensberger zitiert. Dieser vertritt die mutige Helferin, da diese aufgrund ihrer gezeigten Courage jede Menge Ärger am Hals hat - und zwar mit der zuständigen Versicherung des Unfallverursachers.

Eben jene weigert sich nämlich beharrlich, die vollen Kosten zu übernehmen, da die Mandantin Ehrensbergers "selbst schuld" sei. Schließlich hätte sie "ihre Verletzung vermeiden können". Sie habe sich selbst in Gefahr gebracht, trage somit eine Mitschuld für ihre Verletzungen. Lediglich eine Teilung der Kosten und eine Übernahme von 50 Prozent sei eine annehmbare Option.

Für Ehrensberger, der in seiner Karriere kaum einen ihn in ähnlicher Weise empörenden Fall hatte, handelt es sich um eine ungeheuerliche Sichtweise.

Was tun bei einem Unfall? Wegschauen kann keine Lösung sein

"Wenn jeder so denken und handeln würde, wäre das der Tod der Zivilcourage", wird der Anwalt vom Blatt weiter zitiert. Denn wer könne schon eine Risikoanalyse durchführen, wenn es darum ginge, an einem Unfallort wichtige Ersthilfe zu leisten und auf diese Weise vielleicht sogar Leben zu retten.

Ehrensberger strebt unter anderem eine Klage auf Schmerzensgeld sowie eine damit einhergehende Feststellung, ob die Versicherung darüber hinaus für zukünftige Schäden, die seine Mandantin durch den couragierten Einsatz im letzten Jahr davontragen könnte, zahlen muss, an.

Entscheidend sei allerdings, dass es keinesfalls nur um das Finanzielle gehe. "Wir wollen, dass nicht die Botschaft siegen darf: Bevor ich in was reinkomme, schaue ich lieber weg", erklärte Ehrensberger im Gespräch mit der Zeitung.

Ein Unfall in Neumarkt in der Oberpfalz im Jahr 2019 hat für eine Ersthelferin erhebliche Folgen.
Ein Unfall in Neumarkt in der Oberpfalz im Jahr 2019 hat für eine Ersthelferin erhebliche Folgen.  © Screenshot/Google Maps

Titelfoto: 123RF/Dmitry Kalinovsky


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0