Spritze statt Strümpfe: Pflegerin gesteht tödliche Verwechslung

Neumünster – Unter Tränen hat eine 52 Jahre alte Altenpflegerin am Mittwoch eine tödliche Patientenverwechslung (TAG24 berichtete) gestanden.

Statt Kompressionsstrümpfen bekam eine Patientin Schmerzmittel verabreicht und starb daran. (Symbolbild)
Statt Kompressionsstrümpfen bekam eine Patientin Schmerzmittel verabreicht und starb daran. (Symbolbild)

Trotz mehrfacher skeptischer Nachfragen des späteren Opfers sowie ihres Ehemanns habe sie der 67-jährigen, für sie neuen Patientin ohne weitere Nachprüfung ein Schmerzmittel verabreicht, schilderte die Frau vor dem Amtsgericht Neumünster.

Ihre Aussage war immer wieder von Weinen begleitet. Dass es sich dabei um 100 Milliliter Methadonersatz handelte, habe sie nicht gewusst.

Die Frau muss sich wegen fahrlässiger Tötung verantworten. Nach eigenen Angaben arbeitet sie inzwischen weiter in einem kleinen Pflegedienst mit 50 Patienten.

Zu der tödlichen Verwechselung kam es nach Aussagen der Frau gleich zu Beginn ihrer Tour am frühen Samstagmorgen am 29. April 2017.

Sie habe erst 20 Tage zuvor ihre Prüfung zur examinierten Altenpflegerin bestanden und war zum ersten Mal ganz allein verantwortlich zur Patientenbetreuung unterwegs, sagte sie.

Bei der Patientin, die ins Koma fiel und zwei Wochen später starb, hätte die Angeklagte laut Plan lediglich Kompressionsstrümpfe wechseln sollen. Fahrlässige Tötung wird nach dem Strafgesetzbuch mit Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren bestraft.

Update, 14.38 Uhr: Bewährungsstrafe für Pflegerin

Für die tödliche Patientenverwechslung ist die Pflegerin vom Amtsgericht Neumünster zu einer Bewährungsstrafe von acht Monaten verurteilt worden. Außerdem muss die 52-Jährige 2400 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen.

Richter Tees Bremer hielt es für erwiesen, dass die examinierte Pflegekraft am 29. April 2017 durch die Verabreichung von 100 ml Polamidon - einem Methadonersatz - den Tod einer 67-jährigen Patientin in Neumünster fahrlässig verursachte.

Das Gericht folgte mit dem Urteil weitgehend der Forderung der Staatsanwältin. Sie hatte wegen fahrlässiger Tötung auf eine Bewährungsstrafe von neun Monaten und einen Geldbetrag von 2500 Euro plädiert.

Der Verteidiger sprach sich für eine Geldstrafe von unter 90 Tagessätzen aus, damit die Strafe nicht im Führungszeugnis eingetragen werde. Er kündigte Berufung an.

Die Pflegerin gestand vor dem Amtsgericht Neumünster.
Die Pflegerin gestand vor dem Amtsgericht Neumünster.  © Carsten Rehder/dpa

Mehr zum Thema Mord:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0