Dirigent Kurt Masur ist tot

Kurt Masur starb im Alter von 88 Jahren.
Kurt Masur starb im Alter von 88 Jahren.

Ein Nachruf von Jörg Schneider

Leipzig - Es war nicht mehr zu übersehen, wie schwer ihm die letzten Auftritte fielen. Die Schwäche stand dem schwer an Parkinson erkrankten Maestro schon ins Gesicht geschrieben. Er dirigierte im Rollstuhl sitzend, selbst das Umblättern der Noten bereitete ihm große Mühe. Jetzt ist der Leipziger Ehrenbürger und weltweit honorierte Dirigent Kurt Masur im Alter von 88 Jahren gestorben.

Dass die Musik sein Leben war, daran hat er bis zuletzt keinen Zweifel gelassen. Kurt Masur prägte als Gewandhauskapellmeister fast dreißig Jahre (1970-1997) das Leipziger Musikleben.

Von 1967 bis 1972 leitete er die Dresdner Philharmoniker als Chefdirigent und blieb ihr als Ehrendirigent bis zuletzt verbunden.

Von 1991 bis 2002 wirkte Masur bei der New Yorker Philharmonie.
Von 1991 bis 2002 wirkte Masur bei der New Yorker Philharmonie.

Nach der friedlichen Revolution, die er als Mitverfasser des Aufrufs „Keine Gewalt!“ unterstützte, wirkte er von 1991 bis 2002 als Chefdirigent des New York Philharmonic Orchestra.

Von 2000 bis 2007 war er Musikdirektor des London Philharmonic Orchestra, von 2002 bis 2008 oblag ihm zudem die musikalische Leitung des Orchestre National de France in Paris.

Dabei habe er bis zuletzt seine Scheu überwinden müssen: „Selbstzweifel sind heute noch da; das Schlimmste ist, wenn man meint, man kann alles“, sagte er in einem Interview 2004.

In der ihm eigenen bescheidenen Art bezeichnete sich der Studienabbrecher für Komposition und Orchesterleitung an der Leipziger Mendelssohn-Akademie gern selbst als „Amateur“.

Kurt Masur mit seiner Frau Tomoko Sakurai-Masur im Sommer 2014 in seinem Garten.
Kurt Masur mit seiner Frau Tomoko Sakurai-Masur im Sommer 2014 in seinem Garten.

Bereits 1964 bekam Kurt Masur Angebote aus dem Westen. Für eine Chefdirigentenstelle in Bremen ließ ihn die DDR-Führung jedoch nicht ziehen.

Erst nach der friedlichen Revolution, mit fast 64, wagte er in New York noch einmal den Neuanfang. „Wir fühlten uns in New York Zuhause.

Jeder Mensch, der den New Yorkern beweist, dass er etwas für New York tut, ist New Yorker“, gab Masur später einmal zu Protokoll.

Schon früh wurden Masur Ehrungen zuteil, zuletzt erhielt er 2010 den Echo Klassik für sein Lebenswerk. Masurs Arbeit umfasst ein reiches Repertoire.

Zu seinen bekanntesten Aufnahmen zählen die Werke von Mendelssohn, Bruckner, Dvorak, Liszt, Prokofjew und Tschaikowski. Die neun Sinfonien von Beethoven hat er mit dem Gewandhausorchester mehrfach eingespielt.

Fotos: dpa/Wolfgang Kluge, dpa/Hendrik Schmidt


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