"Nicht alles Gold, was glänzt": Sachsens LKW-Fahrer zwischen Freiheit und Frust

Dresden/Nossen - Sie sind die Cowboys der Autobahn, die "Kings on the Road". Der Beruf des Fernfahrers wurde einst wie kein anderer romantisiert. Das war einmal! Genervte Pkw-Fahrer sehen auf der Autobahn nur sinnlose Überholmanöver, doch was viele nicht wissen: Für die Trucker zählt jede Minute. Es scheint das Schicksal der Fernfahrer und ihrer Brummis, dass sie zwar jeder braucht, aber niemand sie will.

Ein LKW ist Kraftpaket, Arbeitsplatz und Wirtschaftsmotor in einem.
Ein LKW ist Kraftpaket, Arbeitsplatz und Wirtschaftsmotor in einem.  © Ove Landgraf

Volker Much muss kräftig in die Eisen treten. Kurz vor der Baustelle auf der A4 schlängelt sich ein Audi vor ihm in die Lücke. "Die Pkw-Fahrer sind unmöglich, sie drängeln sich in meinen Sicherheitsabstand und bringen uns in Gefahr", sagt der Fernfahrer.

Es ist 7.30 Uhr, der vierte Tag in Folge für Volker Much. Der gebürtige Nossener hat heute gut zehn Tonnen Maschinen geladen, die er von der Spedition in Kesselsdorf nach Zittau fahren muss. "Für diesen Beruf muss man geboren sein. Als Fernfahrer wurde man nicht mit Milch, sondern Diesel genährt", sagt der 51-Jährige und lacht herzlich.

Trucker sein, das war schon immer sein Traum. 1995 stellte ihn schließlich die Spedition Hanitzsch als Berufskraftfahrer ein. "Ich habe immer ein Fahrzeug unter meinem Hintern", sagt Much.

In seinem Vierzigtonner transportiert er alles Mögliche. "Es gibt nichts, das ich noch nicht gefahren habe." In seinen 23 Jahren als Trucker, so sagt er, hätte er die Erde schon vier Mal umrundet. Man fahre von Tag zu Tag, oftmals wisse man nicht, wohin der nächste Auftrag führt.

Meistens hat Brummi-Pilot Much gut lachen. Manches nervt ihn aber auch.
Meistens hat Brummi-Pilot Much gut lachen. Manches nervt ihn aber auch.

Volker Much mag das. Sein Fahrerhäuschen ist Wohn- und Schlafzimmer, Küche und Arbeitsplatz zugleich. Seine Küche, ein Mini-Kühlfach und eine Vorratskammer verstecken sich unter seinem Bett. "Ich lebe größtenteils aus dem Kühlschrank, aber damit komme ich gut zurecht." Die obligatorische "Bocki" von der Tanke - die holt er lieber aus seinem Kühlschrank.

"Es ist nicht alles Gold, was glänzt." Das sagt Volker Much an diesem Tag immer wieder. Die strengen Ruhezeit-Regeln und fehlenden Stellplätze erleichtern einem die Arbeit nicht: "Wenn man bis 17 Uhr keinen Platz zum Übernachten gefunden hat, dann sieht es schlecht aus. Da sind die Rastplätze alle überfüllt." Lediglich auf den Autohöfen gebe es noch Plätze, für die müsse man aber zahlen.

Eine Sache brennt dem Kraftfahrer noch auf der Seele. Nachdem er am Nachmittag in Puschwitz vier Paletten mit Schmelztiegeln geladen hat, stellt er fest: "Diese Firma eben war sehr freundlich zu mir. Das war früher auch üblich so", sagt Much.

"Da war man als Fernfahrer noch der 'King of the Road', heute... da wird man teilweise mies behandelt", erzählt er weiter. Besonders bei großen Discountern, sagt Much. "Dort wird vorausgesetzt, dass ich die Ware selber ablade. Das ist aber nicht mein Job, dafür werde ich nicht bezahlt - ich bin kein Lagerarbeiter, sondern Kraftfahrer!"

Manchmal, so der 51-Jährige, wenn ihm beim Fahren langweilig wird, dann kreisen die Gedanken. "Es ist schwierig, eine Frau zu finden, die das mitmacht." Seine (Noch)-Ehefrau ist im vergangenen Jahr ausgezogen. Die gemeinsame Tochter sieht Volker Much alle zwei Wochen.

Es ist zwar nicht alles Gold, was glänzt - aber manchmal, wenn Volker Much von seinem Job erzählt, dann sieht man zumindest das Glänzen in seinen Augen.

Stimmt der Luftdruck? Ein regelmäßiger Check gehört zum Job.
Stimmt der Luftdruck? Ein regelmäßiger Check gehört zum Job.  © Ove Landgraf
Volker Much in seinem 40-Tonner der Marke DAF: Unterm Bett befindet sich ein Kühlschrank.
Volker Much in seinem 40-Tonner der Marke DAF: Unterm Bett befindet sich ein Kühlschrank.  © Ove Landgraf
Ganz schön voll: An Sachsens Autobahn-Raststätten fehlen Parkplätze für die Brummifahrer.
Ganz schön voll: An Sachsens Autobahn-Raststätten fehlen Parkplätze für die Brummifahrer.  © 123RF/Symbolbild

Titelfoto: Ove Landgraf