Bald ist Osterzeit und die Welt passt plötzlich in ein Ei!

Eutin - Mit wehendem Schal braust ein Motorradfahrer durch eine Allee. Bis nach Eutin sind es laut Wegweiser am Straßenrand noch 35 Kilometer. Der Betrachter meint, das Motorengeräusch der Maschine zu hören und den Fahrtwind zu spüren, so echt wirkt die Szene.

Ein Exponat der Ausstellung "Die Welt im Ei" steht in einer Vitrine im Ostholstein-Museum.
Ein Exponat der Ausstellung "Die Welt im Ei" steht in einer Vitrine im Ostholstein-Museum.  © DPA

Doch der Motorradfahrer ist gerade mal 15 Millimeter groß und die Szene spielt sich in der Schale eines Gänseeis ab.

Seit 30 Jahren inszeniert die Hamburger Künstlerin Edda Henschel Alltagsszenen im Miniaturformat in Schalen von Hühner- und Gänseeiern. 81 solcher Eier zeigt die Ausstellung "Die Welt im Ei", die von Donnerstag an im Ostholstein-Museum in Eutin zu sehen ist.

"Schon als Kind war ich sehr detailverliebt. Alles, was besonders klein war, hat mich fasziniert", sagt Henschel. Diese Leidenschaft hat sie inzwischen perfektioniert.

In ihren Minidioramen streifen wilde Tiere durch einen noch wilderen Dschungel, eine indische Prinzessin reitet in einer Elefanten-Sänfte ihrer Hochzeit entgegen und hinter der Klosterkirche laben sich Mönche am selbst gebrauten Bier.

"Das ist eine meiner Lieblingsszenen", sagt Henschel und verweist auf den Steinfußboden des Klosters, der durch den Abdruck eines Pommes-frites-Schneiders in Modelliermasse entstanden ist.

Die Künstlerin Edda Henschel präsentiert ein Exponat in der Ausstellung "Die Welt im Ei" im Ostholstein-Museum.
Die Künstlerin Edda Henschel präsentiert ein Exponat in der Ausstellung "Die Welt im Ei" im Ostholstein-Museum.  © DPA

"Die Mönche im Maßstab 1:87 stammen aus dem Sortiment eines Herstellers für Modellbahnzubehör, das Drumherum ist improvisiert. Die Fenstergitter sind zum Beispiel aus vergoldetem Zitronennetz", erzählt sie.

Überhaupt sei Improvisation das A und O ihrer Arbeit, sagt Henschel. In ihrem Hamburger Atelier sammelt sie auch die unscheinbarsten Alltagsgegenstände, um sie irgendwann in einem ihrer Minidioramen zu verwenden.

Da werden dann Paprikasamen zu Fladenbroten, gelbe Stecknadelköpfe zu Tennisbällen und Streichhölzer zur Holzverkleidung einer Sauna.

"Ich werfe grundsätzlich nichts weg und oft inspirieren mich sogar vermeintliche Abfälle zu neuen Ideen." Nach und nach fügten sich die Szenen dann oft ganz von selbst zu kleinen Geschichten, sagt sie.

Die sind mitunter auch hintergründig, wie die Szene "Auf dem Friedhof" beweist. Da warnt ein Schild vor herabfallenden Mauerteilen, während darunter ein von einem Stein getroffener Mann am Boden liegt.

Neben Fantasie, Geduld und einer ruhigen Hand brauche sie vor allem ganz viel Klebstoff, verrät Henschel. "Es sind zwar immer nur einzelne Tropfen, aber da kommt trotzdem eine ganze Menge zusammen."

Die Ausstellung "Edda Henschel - Die Welt im Ei" ist noch bis zum 28. April geöffnet.

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