Beißt sich "Pferdelunge" Nico Schulz dauerhaft in der Nationalelf fest?

Sinsheim - Er ist einer, der sich zerreißt, den man die Seitenlinie rauf und runter schicken kann und Fußball arbeitet: Hoffenheims Linksverteidiger und neuerdings deutscher Nationalspieler Nico Schulz (25).

Kreuzte bereits im Alter von 17 Jahren die Klingen mit der TSG 1899 Hoffenheim. Im DFB-Junioren-Vereinspokalfinale unterlag Nico Schulz (Mitte) mit Hertha BSC der U19 der TSG mit 1:2.
Kreuzte bereits im Alter von 17 Jahren die Klingen mit der TSG 1899 Hoffenheim. Im DFB-Junioren-Vereinspokalfinale unterlag Nico Schulz (Mitte) mit Hertha BSC der U19 der TSG mit 1:2.

In Berlin ist der heutige Hoffenheimer aufgewachsen und verbrachte fast seine gesamte Jugend bei Hertha BSC.

Dort hat er anscheinend gelernt, bescheiden zu sein, denn fragt man ihn nach seinen Vorbildern, nennt er nicht Cristiano Ronaldo oder Zlatan Ibrahimovic, sondern lieber Ex-Hoffenheimer Sejad Salihovic, Patrick Ebert oder Jérôme Boateng.

Diese drei Namen stehen - Boateng ausgenommen - nicht unbedingt für eine Weltkarriere, doch vor allem der heutige Dynamo-Dresden-Kicker Patrick Ebert (31) steht definitiv für den Typus "ehrlichen Fußballer".

Vor allem aber sind die drei Vorbilder vom pfeilschnellen Flügelflitzer waschechte Herthaner, die wie Schulz die Jugendmannschaften durchliefen und dann Profis wurden.

Ein ehrlicher Fußballer ist auch Nico Schulz, der am Sonntag gegen Peru (2:1) sein Debüt für die deutsche Nationalmannschaft feierte.

Kurz vor Schluss traf er für Deutschland zum Siegtreffer, der an Kuriosität nicht zu überbieten war: Ein schwacher Schuss mit der Innenseite fand mit großzügiger Unterstützung des peruanischen Torhüters Pedro Gallese (28) den Weg ins Netz. Ohne Gallese wäre der Ball wahrscheinlich sogar vorbeigegangen.

Nico Schulz (l.) jubelt mit TSG-Hoffenheim-Kollege Andrej Kramaric (27).
Nico Schulz (l.) jubelt mit TSG-Hoffenheim-Kollege Andrej Kramaric (27).  © DPA

Kurioserweise zeigt ausgerechnet dieses Debüt-Tor das Manko im Offensivspiel von Nico Schulz: Seine Torabschlussschwäche.

In 94 Spielen gelangen ihm nur mickrige drei Treffer. Als Verteidiger nicht unbedingt die Statistik mit der größten Relevanz, jedoch interpretiert er seine Rolle offensiv und spielte auch häufig als offensiver Außenbahnspieler auf der linken Seite.

Fünf Torvorlagen sind etwas zu wenig für jemanden, der mit solch einer Präzision Flanken schlägt, dass man ihn Flankengott nennen möchte.

Er bringt sie variabel in den Strafraum: flach, hoch oder auch mal in den Rückraum. Und das mit einer spielerischen Leichtigkeit, dass man ihn nachts wecken könnte und er würde liegend aus dem Bett heraus die Flanken noch an den Mann bringen.

Nico Schulz zeigt eben bedingungslosen Einsatz für sein Team. Er zerreißt sich und rennt 90 Minuten die Seitenlinie rauf und runter, sodass man denkt, im Falle einer Organspende, müsse er seine Lunge eher an ein Pferd als an einen Menschen abgeben, so leistungsstark ist diese.

Neu-Nationalspieler Nico Schulz (25) ist ein pfeilschneller Flügelspieler, der sowohl defensiv, als auch offensiv die Außenbahn beackern kann.
Neu-Nationalspieler Nico Schulz (25) ist ein pfeilschneller Flügelspieler, der sowohl defensiv, als auch offensiv die Außenbahn beackern kann.

Doch bei allem Einsatz bleibt manchmal noch die Defensive auf der Strecke, wie es auch im Spiel gegen Peru beim Gegentor der Deutschen zu sehen ist: Der peruanische Außenverteidiger Luis Advincula ließ Schulz beim Versuch ihn zu attackieren einfach ins Leere laufen.

Da fehlt es Schulz manchmal noch an der richtigen Balance zwischen Offensive und Defensive.

Bei Hoffenheim hat er es da bisschen leichter als im DFB-Team, da die TSG mit einer Dreierkette spielt, die hinter Schulz für zusätzliche Absicherung sorgt. In der Nationalmannschaft fehlt mit nur zwei Innenverteidigern diese Absicherung.

Wie seine Zukunft in der Nationalmannschaft aussieht ist schwer einzuschätzen, da Bundestrainer Joachim Löw auf seiner Linksverteidiger-Position gerne viel ausprobiert.

So kann es gut sein, dass es für Nico Schulz nur ein kurzes Gastspiel in der Nationalmannschaft war. Ob er dem entgegenwirken kann und sich bei Löw etabliert, steht im direkten Zusammenhang mit seinen Auftritten für Hoffenheim in der aktuellen Champions-League-Saison. Dabei muss er sich beispielsweise gegen die Weltklasse-Spieler von Manchester City beweisen.

Schafft er dies, dann wird er in der Nationalmannschaft eine gute Rolle spielen. Löw hat dann einen Linksverteidiger mit einem starken Charakter, präzisen Flanken und einer Pferdelunge.

Titelfoto: DPA


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