Kriminelle Familienclans machen der Polizei zu schaffen

Hannover - Die stetig wachsende Kriminalität von Familienclans macht Niedersachsen seit vielen Jahren zu schaffen, nun bündelt die Polizei ihre Kräfte.

Die Polizei geht nun in Niedersachsen mit neuen Konzepten gegen kriminelle Familien-Clans vor (Symbolbild).
Die Polizei geht nun in Niedersachsen mit neuen Konzepten gegen kriminelle Familien-Clans vor (Symbolbild).  © dpa/Holger Hollemann

Ein einheitliches und effizientes Vorgehen vor allem gegen kriminelle Mhallamiye-Kurden ist Ziel einer seit März umgesetzten Landesrahmenkonzeption, wie das Innenministerium auf eine FDP-Anfrage hin mitteilte.

Dabei geht es unter anderem darum, konsequent gegen jegliche Form von Kriminalität der Clans vorzugehen, verwendete Autos zu beschlagnahmen und durch Verbrechen erlangtes Vermögen abzuschöpfen.

Nach den Angaben des Ministeriums gab es im vergangenen Jahr 248 herausragende Einsätze im Zusammenhang mit kriminellen Clans, 2016 waren es noch 143. Drei Viertel der Einsätze betrafen Mhallamiye-Kurden, die übrigen türkisch-kurdische, südosteuropäische und jesidische Großfamilien.

Das Phänomen der Clankriminalität bilde seit Jahren einen Schwerpunkt bei der Bekämpfung organisierter Kriminalität, erklärte das Ministerium. Kennzeichnend sei der hohe Abschottungsgrad der Familien, ihr hohes Mobilisierungspotenzial sowie die unverhohlene Ablehnung deutscher Gesetze und Normen bis hin zu praktizierter Paralleljustiz mit dem Ziel, den staatlichen Strafverfolgungsanspruch zu konterkarieren.

Die Zahl der Straftaten der M-Kurden steigt nach Erkenntnis der Fahnder seit Jahren an. 2002 waren es rund 100, im Jahr 2011 bereits mehr als 600 und Hochrechnungen kommen für 2016 auf 882 und für 2017 auf 878 Ermittlungsverfahren.

Da die M-Kurden in der Statistik nicht explizit erfasst werden, versucht die Polizei über die Namen der Großfamilien, den Umfang der ihnen zuzurechnenden Kriminalität einzugrenzen.

Überwiegend geht es um Betrug, gefährliche Körperverletzung, Bedrohung, Beleidigung und Sachbeschädigung. 2017 wurde gegen 450 Männer und 108 Frauen der Minderheit ermittelt.

"Die kriminellen Aktivitäten von Mitgliedern polizeilich bekannter Clanstrukturen der Mhallamiye treten in Niedersachsen flächendeckend und überregional auf", heißt es in der Antwort des Innenministeriums.

Örtliche Schwerpunkte, was die Herkunft von Tatverdächtigen angeht, waren 2017 Hannover, Oldenburg, Hildesheim, Wilhelmshaven und Braunschweig, auch aber kleinere Städte wie Peine, Nordhorn, Gifhorn oder Hameln. Das Dunkelfeld sei groß. Für Zeugen und Opfer bestehe häufig ein hohes Bedrohungs- und Gefährdungspotenzial. Auch Polizisten seien mit subtilen Bedrohungen konfrontiert.

Im Bundesland Bremen machen die M-Kurden der Polizei ebenfalls zu schaffen. Seit 2010 wurden bei der Staatsanwaltschaft Bremen mindestens 1316 Verfahren gegen Mitglieder der Minderheit geführt, wie aus einer Anfrage in der Bürgerschaft aus dem vergangenen Jahr hervorgeht.

Mhallamiye-Kurden haben ihre Wurzeln in der Türkei, von wo aus sie Ende der 1920er Jahre auf der Suche nach besseren Lebensbedingungen in den Libanon auswanderten. Während des libanesischen Bürgerkriegs in den 1980er Jahren flohen viele unter anderem nach Deutschland.

Aktuell leben etwa 15.000 Mhallamiye unter anderem in größeren Gemeinden in Berlin, Bremen und Essen/Ruhr. In Niedersachsen leben etwa 2000 Mitglieder der Minderheit.

Titelfoto: dpa/Holger Hollemann


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