Hunderttausende Hunde nicht registriert

Hannover - Das niedersächsische Hundegesetzes gibt es seit fünf Jahren, doch sind längst nicht alle Vierbeiner im offiziellen Melderegister erfasst.

Alle Hunde in Niedersachsen sollen im offiziellen Melderegister erfasst werden.
Alle Hunde in Niedersachsen sollen im offiziellen Melderegister erfasst werden.  © dpa/Paul Zinken

360.000 Hunde seien gebührenpflichtig verzeichnet, sagte Alexandra Schönfeld, Sprecherin des Verbraucherschutzministeriums.

Im kostenfreien Haustierregister "Tasso" sind für Niedersachsen dagegen derzeit mehr als 577.000 Hunde aufgelistet - also 217.000 mehr, wie Sprecherin Laura Simon sagte.

Nach der Neufassung des "Niedersächsischen Gesetzes über das Halten von Hunden" müssen Besitzer eine Haftpflichtversicherung für ihre Tiere abschließen und ihnen einen Chip einpflanzen lassen. Seit dem 1. Juli 2013 müssen sie ihre Hunde zudem in ein zentrales Register eintragen lassen.

"Daten, die im Rahmen einer kommunalen Satzung wie der Hundesteuer erfasst werden, stehen nur der jeweiligen Kommune zur Verfügung", begründete Schönfeld. Daher sei ein Extra-Verzeichnis nötig. Wer sein Tier nicht anmeldet, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Erklärtes Ziel des Landes ist es, alle in Niedersachsen gehaltenen Hunde behördlich im Register zu erfassen.

Von diesem Ziel scheint das Ministerium noch weit entfernt zu sein.

Auch diese Foxhound-Hunde der Niedersachsen-Meute müssen registriert sein.
Auch diese Foxhound-Hunde der Niedersachsen-Meute müssen registriert sein.  © dpa/Hauke-Christian Dittrich

Der Tierschutzverein Hannover bekommt nach eigenen Angaben zahlreiche Hunde zu sehen, die keinen Chip tragen. "Viele Besitzer wissen gar nicht, dass sie ihren Hund registrieren lassen müssen", sagte Arvid Possekel vom Tierschutzverein.

Zu dieser Unwissenheit kommt offenbar auch eine Verweigerungshaltung. "Unserer Erfahrung nach gibt es seitens der Tierhalter einen relativ großen Mangel, was die Akzeptanz des niedersächsischen Registers betrifft", betonte "Tasso"-Sprecherin Simon.

Ein Grund dafür könne die Gebühr sein, zudem habe das Verzeichnis für den Halter keinen erkennbaren Nutzen. "Sie ist eine rein ordnungspolitische Maßnahme", sagte Simon. Bei "Tasso" dient die Registrierung dazu, entlaufene Tiere den Besitzern zurückführen zu können.

Mit Hilfe des behördlichen Hunderegisters sollen Halter zügig ermittelt werden können, wenn ihre Tiere auffällig geworden sind. Auch will das Ministerium Erkenntnisse über die Gefährlichkeit von Hunden in Bezug auf Rasse, Geschlecht und Alter gewinnen.

Ziele sind zudem die Prävention vor Beißattacken und ein besserer Tierschutz. In dem offiziellen Hunderegister stehen nach Ministeriumsangaben derzeit 2079 Kampfhunde, zu denen etwa Bullterrier gehören. Bei "Tasso" sind 2400 solcher Tiere verzeichnet.

Arvid Possekel vom Tierschutzverein Hannover lobt das Hundegesetz, da es bestimmte Rassen nicht automatisch als gefährlich einstufe und eine Sachkenntnisprüfung der Halter verlange.

Wer sich einen Hund neu anschafft, ist zu einer theoretischen und praktischen Prüfung verpflichtet. Nur wer innerhalb der vergangenen zehn Jahre mindestens zwei Jahre lang einen Hund gehalten hat, muss den Hundeführerschein nicht machen.

"Es ist das beste Hundegesetz, das es in Deutschland gibt", unterstrich er. Allerdings müsse Hunden, die einmal gebissen haben und als gefährlich eingestuft wurden, die Möglichkeit zur Rehabilitierung gegeben werden.

Titelfoto: dpa/Hauke-Christian Dittrich


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