eSportler des VfB Stuttgart lebt im Rollstuhl seinen Traum: "Niemals aufgeben!"

Stuttgart - Niklas Luginsland ist eSport-Profi beim Fußball-Zweitligisten VfB Stuttgart. In der Szene als "nik_lugi" bekannt, geht er für seinen Lieblingsverein im Videospiel "FIFA" bei Online-Turnieren auf Punktejagd - und das vom Rollstuhl aus. Denn der 23-Jährige hat seit seiner Geburt die Glasknochenkrankheit. Doch die hindert ihn keineswegs daran, seine Träume zu leben, wie er im TAG24-Interview verrät.

Niklas Luginsland (rechts im Bild) im Gespräch mit TAG24-Redakteur David Frey.
Niklas Luginsland (rechts im Bild) im Gespräch mit TAG24-Redakteur David Frey.  © TAG24

TAG24: Niklas, Du bist seit Deiner Geburt an aufgrund Deiner Krankheit an den Rollstuhl gebunden. Wie kommst Du damit zurecht?

Niklas Luginsland: Die ersten Lebensjahre waren definitiv die schwersten, was die Behinderung und Einschränkungen angeht. Ich hatte da ziemlich viele Knochenbrüche und kann mich Gott sei Dank an vieles nicht mehr erinnern.

Ich mache sehr viel Sport und Physiotherapie und kann so starke Fortschritte erzielen. In den letzten sieben Jahren hatte ich "nur" noch zwei Knochenbrüche.

TAG24: Wie viele waren es insgesamt?

Niklas Luginsland: Auf jeden Fall mehr als 20. Oft bin ich aber gar nicht mehr ins Krankenhaus gefahren, da meine Eltern zuhause sehr viel behandeln konnten.

TAG24: Plagen Dich heute noch Schmerzen?

Niklas Luginsland: Dauerhafte Schmerzen habe ich nicht mehr. Ich muss aber mit meiner Rückenmuskulatur aufpassen, da ich, wenn ich zu viel sitze, schnell Rückenschmerzen bekommen kann.

Niklas Luginsland spielt ein FIFA-Match auf der PlayStation 4 in seinem Zimmer.
Niklas Luginsland spielt ein FIFA-Match auf der PlayStation 4 in seinem Zimmer.  © TAG24

TAG24: Nun bist Du seit August 2018 ein Teil des VfB eSports-Teams im Videospiel FIFA. Wie war das für Dich, als Dir ein Vertrag angeboten wurde?

Niklas Luginsland: Das war absolut genial, einfach großartig. Ich bin seit 2004 Mitglied beim VfB und wenn man seinen Herzensverein auf dem virtuellen Rasen vertreten kann und ein Teil des Ganzen wird, macht mich das sehr stolz. Das ist ein Stück weit ein Lebenstraum, den ich mir damit erfülle, auch wenn ich nicht direkt darauf hingearbeitet habe.

TAG24: Wie kam das Engagement zustande?

Niklas Luginsland: Ich spiele FIFA, seit ich sechs Jahre alt bin. Vor knapp fünf Jahren habe ich angefangen, an Online-Turnieren teilzunehmen und im Raum Stuttgart auch an dem ein oder anderen regionalen Turnier.

Da habe ich schnell gemerkt, dass ich besser bin als viele andere Spieler und mehr als nur mithalten konnte. Der VfB ist dann auf mich aufmerksam geworden und so haben sich die Gespräche entwickelt, die toll verliefen.

Niklas Luginsland (rechts im Bild) verlängerte im August seinen Vertrag beim VfB eSports, wo er Teil des Teams ist (links im Bild). (Fotomontage)
Niklas Luginsland (rechts im Bild) verlängerte im August seinen Vertrag beim VfB eSports, wo er Teil des Teams ist (links im Bild). (Fotomontage)  © Montage: Screenshots Instagram/vfbesports, Instagr

TAG24: Bist Du im eSport aufgrund Deiner Glasknochenkrankheit gegenüber anderen Spielern im Nachteil?

Niklas Luginsland: Ein großes Handicap durch meine Krankheit gibt es an sich nicht. In FIFA kommt es stark auf die Hand-Augen-Koordination, sowie die Reaktionsfähigkeit an. Bei einem Test für eSportler in Köln wurde festgestellt, dass ich in diesen beiden Bereichen sehr gute Werte habe.

Das Einzige, was für mich vielleicht zu optimieren wäre, ist die Größe des Controllers, da meine Hände deutlich kleiner sind. Aber einerseits ist es schwierig, da etwas Passendes zu finden, andererseits habe ich mich schon so auf den normalen Controller eingestellt, dass ich nicht mal wüsste, ob es wirklich besser wäre.

TAG24: Bevor es im eSport so richtig los ging, hast Du noch deinen Bachelor-Abschluss in Public Management an der Hochschule in Kehl absolviert. Jetzt bist Du einer der ersten Studenten eines brandneuen Master-Studiengangs, der vom VfB Stuttgart angeboten wird.

Niklas Luginsland: Genau, die VfB-Akademie bietet in Zusammenarbeit mit der Hochschule Nürtingen den Studiengang "Leadership and Sports Management" an. Es ist ein anspruchsvolles Studium, weil wir fast ständig Hausarbeiten erledigen müssen und die Vorlesungen nicht einfach sind. Aber es macht sehr viel Spaß, die Themen sind richtig interessant und insgesamt kann ich mir meine Zeit deutlich besser einteilen als noch im Bachelor und so mehr für den eSport investieren.

Der 23-Jährige ist neben seinem eSports-Engagement in einem Master-Studiengang beim VfB eingeschrieben, spielt gerne Schlagzeug und Schach in der Freizeit.
Der 23-Jährige ist neben seinem eSports-Engagement in einem Master-Studiengang beim VfB eingeschrieben, spielt gerne Schlagzeug und Schach in der Freizeit.  © TAG24

TAG24: Was möchtest Du nach deinem Studium machen?

Niklas Luginsland: Ich muss ehrlich zugeben, den Plan, was in zwei Jahren sein soll, habe ich noch nicht. Zum einen muss ich schauen, wie es sich im eSport weiterentwickelt, zum anderen kann ich mir auch vorstellen, in der Sportbranche später eine Tätigkeit auszuführen. Ich denke aber, dass ich durch mein Studium dann breit aufgestellt bin und freue mich auf die Aufgaben in der Zukunft.

TAG24: Gibt es neben dem eSport etwas, das Dich besonders glücklich macht?

Niklas Luginsland: Ich liebe es, wenn ich zusammen mit meiner Familie und meinen Freunden etwas unternehmen kann, wenn wir zusammen Ausflüge machen. Ich bin keiner, der es toll findet, jeden Tag acht Stunden FIFA zu spielen. Ich genieße lieber die Zeit mit meinen Liebsten und spiele in der Freizeit gerne auch Schach und Schlagzeug.

TAG24: Hast Du zum Abschluss noch eine Message an unsere Leser?

Niklas Luginsland: Ich wende mich immer gerne an alle Menschen, egal, ob sie ein Handicap haben wie ich oder nicht: Probiert was aus, denn ihr könnt eure Ziele erreichen! Wenn der eigene Wille stark genug ist, kann man Berge versetzen. Ich persönlich lebe nach dem Motto: Niemals aufgeben!

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