Noch ein irres Huhn auf der A4

Romy Mosch (36) und Tochter Minou (5) retteten ein verletztes Autobahn-Huhn vom Standstreifen der A 4, tauften es „Frieda“.
Romy Mosch (36) und Tochter Minou (5) retteten ein verletztes Autobahn-Huhn vom Standstreifen der A 4, tauften es „Frieda“.

Von Hermann Tydecks

Dresden - Freigehege Autobahn! Kaum zu glauben, aber Problem-Huhn „Gerda“ ist nicht das einzige Fund-Huhn von der Straße. Kurz bevor die Henne auftauchte, rettete eine Dresdnerin ein anderes Huhn vom Standstreifen - ebenfalls auf der A4, nur eine Ausfahrt weiter.

„Vielleicht sind es Schwestern“, schmunzelt Romy Mosch (36). Gut drei Wochen, bevor Problem-Huhn „Gerda“ auftauchte, fuhr sie vom Elbepark auf die A4 in Richtung Wilder Mann.

„Plötzlich sah ich ein weißes Huhn. Es saß auf dem Standstreifen, bewegte sich kaum.“ Da die Dresdnerin auf dem Lande aufwuchs, war die Entscheidung klar: „Wir müssen das Huhn retten!“, rief Romy im Auto zu ihrer Tochter Minou (5).

Jetzt geht es Frieda wohl so gut wie nie, wie man am prächtigen Federkleid erkennen kann.
Jetzt geht es Frieda wohl so gut wie nie, wie man am prächtigen Federkleid erkennen kann.

Sie fuhren die nächste Ausfahrt zurück, wechselten die Seiten, hielten auf dem Standstreifen an. „Das Huhn war am Bein verletzt. Ich glaube, dass es aus einem Transporter gefallen war“, sagt die Tierfreundin.

„Als ich es mit beiden Händen griff, entdeckte ich noch ein weißes Ei! Das hatte sie nach dem Sturz wohl noch vor Schreck gelegt ...“

Trotz wildem Gegackers nahm Romy das Huhn (ohne Ei) mit nach Hause, rettete es vorm sicheren Tod. „Der Tierarzt diagnostizierte ein zertrümmertes Bein.“ Romy päppelte die Henne im Garten auf, taufte sie „Frieda“. Fast täglich kommen die Kinder aus der Nachbarschaft nun Autobahn-Huhn „Frieda“ gucken.

Romy würde sich liebend gerne auch um „Gerda“ kümmern. „Nur einfangen kann ich sie nicht ...“

Gerda gackert munter weiter

Auch am Mittwoch wurde „Gerda“ wieder auf der A 4 nahe der Abfahrt Altstadt gesichtet.
Auch am Mittwoch wurde „Gerda“ wieder auf der A 4 nahe der Abfahrt Altstadt gesichtet.

Also das muss Huhn erst mal schaffen! Seit drei Wochen treibt sich „Gerda“ bereits auf der A4 herum, huscht zwischen Autos durch, pendelt zwischen Dreieck Dresden West und Neustadt.

Wie lange kann sie den Kühlergrills noch ausweichen? „Wir werden die Autobahn nicht wegen einem Huhn sperren“, sagt Polizeisprecher Marko Laske (42). „Das Gefahrenpotenzial ist nicht so hoch wie etwa bei einem Wildschwein.“ Unfälle seien noch keine bekannt.

Wer Gerda begegnet, sollte die Geschwindigkeit verringern, aber keine unkontrollierten Ausweichmanöver machen. „Im Zweifel lieber den Zusammenstoß in Kauf nehmen“, rät Laske.

Fotos: Amac Garbe (2), privat, Norman Reßler


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