Trotz Minusgraden: Obdachlose bleiben Notunterkünften fern

Hamburg - Die anhaltende Kälte hat Norddeutschland fest im Griff. Das macht auch den Obdachlosen zu schaffen. Den Weg in die Notunterkünfte suchen sie aber selten.

In Hamburg hausen zahlreiche Obdachlose trotz der Kälte weiter im Freien.
In Hamburg hausen zahlreiche Obdachlose trotz der Kälte weiter im Freien.  © DPA

Zahlreiche Betten stehen in den Quartieren noch frei, gerade in den Großstädten.

Dabei ist die Wetterlage für die Obdachlosen sehr gefährlich, nach wenigen Minuten sind Finger und Füße taub, die Haut schmerzt von der kalten Luft.

"Es ist sehr kalt und es war die Tage davor sehr nass. Wenn man keine Chance hat, seine Sachen zu trocknen, kühlt man viel schneller aus", warnt Hans-Peter Reiffen, Landesarzt bei den Johannitern.

In Hamburg sind bereits Ende des vergangenen Jahres mehrere Menschen der Kälte zum Opfer gefallen (TAG24 berichtete). Auch dieser Tage dürfte das kalte Wetter den Obdachlosen zusetzen.

Dennoch waren in den vergangenen Wochen immer noch rund ein Drittel der Plätze in den Notunterkünften frei, wie Martin Helfrich, Pressesprecher der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration, auf TAG24-Nachfrage bestätigte.

Dabei gibt es in der Friesen- und in der Kollaustraße rund 700 Schlafplätze. "In beiden sind noch reichlich Kapazitäten frei", erklärte er.

Die Zimmer in den Notquartieren bleiben vielerorts leer.
Die Zimmer in den Notquartieren bleiben vielerorts leer.  © DPA

Ähnlich sieht die Lage in anderen norddeutschen Großstädten aus. In Hannover könne im Notfall weitere Platz für Bedürftige geschaffen werden, davon sind die Zahlen aber noch weit entfernt.

"In den Notschlafstellen ist die Auslastung angesichts der Kälte stärker gestiegen; derzeit gibt es aber noch ausreichend Plätze", sagte Stadtsprecherin Michaela Steigerwald über die Situation in der niedersächsischen Landeshauptstadt.

In den Obdachlosenunterkünften, die einer vorübergehenden Unterbringung und nicht nur der Übernachtung dienen, sei die Auslastung durch die Kälte nicht gestiegen. Dort seien schon vorher nur noch wenige Plätze frei gewesen.

Wie in Hannover könne auch in Bremen bei Bedarf die Kapazität an Betten erhöht werden. Ein ehemaliges Containerdorf mit derzeit 38 Plätzen für Wohnungslose könne um das Doppelte erweitert werden.

"Es gibt noch frei Plätze und wir nehmen jeden Hilfesuchende auf", teilte der Verein für Innere Mission in Bremen mit.

Ein Obdachloser hat sein Lager unter einer Brücke in einem Durchgang aufgeschlagen.
Ein Obdachloser hat sein Lager unter einer Brücke in einem Durchgang aufgeschlagen.  © DPA

Das nacht auch das Notasyl in Rostock. Doch auch dort bleiben die Betten teilweise leer. "Das Angebot wird nicht von allen angenommen. Mit der Kälte hat die Anzahl aber zugenommen", bestätigte Hartwig Vogt, Leiter der Notübernachtung im Integrativen Betreuungszentrum Rostock, die relativ hohe Auslastung.

In der Stadt gäbe es allerdings keine speziellen Notquartiere für den Winter. Die Kapazität, die im Sommer angeboten werde, reiche seiner Aussage nach, auch für den Winter aus.

Anders sieht es in Schleswig-Holstein aus. In den Großstädten Lübeck und Flensburg müssen in den Wohnungslosenunterkünften teilweise Matratzen und Feldbetten auf Flure gelegt werden, weil die Nachfrage derzeit so hoch sei.

"Die Quartiere sind immer ausgelastet. Das ist nicht nur im Winter ein Thema", erklärte Friedrich Keller, Sprecher der Diakonie in Schleswig-Holstein. Derzeit sei der Ansturm groß.

Bei den Wetterprognosen dürfte die Anzahl der Bedürftigen in den Unterkünften in den nächsten Tagen weiter steigen.

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