Nazi-Massengrab unter Spielplatz vermutet

Norderstedt - Mehr als 70 Jahre nach dem Ende von Hitler-Deutschland gibt es Hinweise auf ein mögliches Massengrab aus Zeit der Nationalsozialisten, das unter einem Spielplatz in Norderstedt liegen soll.

Der Spielplatz im Norderstedter Stadtteil Harksheide ist wegen des Verdachts gesperrt (Symbolbild).
Der Spielplatz im Norderstedter Stadtteil Harksheide ist wegen des Verdachts gesperrt (Symbolbild).  © dpa/Federico Gambarini

Experten des Archäologischen Landesamts wollen Mitte Juli den mutmaßlichen Fundort genau untersuchen.

"Die Entnahme von Bodenproben und Ausgrabungen sind für den 10. und 11. Juli geplant", sagte eine Sprecherin des Archäologischen Landesamts der Deutschen Presse-Agentur.

"Sollten die Archäologen dabei auf Knochen stoßen, wird die Kriminalpolizei hinzugezogen."

An der Grabung in Norderstedt ist auch der Leiter des Landesamts, Ulf Ickerodt, beteiligt.

"Es gibt unterschiedliche Versionen, denen jetzt nachgegangen wird", sagte die Sprecherin. Aussagen von Zeitzeugen würden von den Archäologen ernst genommen. Der Spielplatz ist derzeit gesperrt.

Eine Zeitzeugin hatte berichtet, an dieser Stelle im Stadtteil Harksheide hätten vor mehr als 70 Jahren Mitarbeiter der sogenannten Heil- und Pflegeanstalt Langenhorn Opfer des Euthanasie-Programms verscharrt.

Mit diesem beschönigenden Wort beschrieben die Nationalsozialisten den staatlich angeordneten Mord an körperlich und/oder geistig behinderten Menschen.

Ende Mai hatte ein Sprecher der Norderstedter Stadtverwaltung laut dem "Hamburger Abendblatt" angekündigt, dem Thema "mit aller Sensibilität und Pietät" nachgehen zu wollen.

Update 12.03 Uhr: Wie ein Sprecher der Stadt Norderstedt sagte, gab es Hinweise einer Anwohnerin, die dort in den 60ern aufgewachsen sei. Sie habe geschildert, dass damals immer mal wieder Knochen gefunden worden seien.

Damals habe man in der Siedlung darüber gesprochen, dass es sich um menschliche Überreste aus der NS-Zeit handeln könnte. Sie habe nicht ausgeschlossen, dass es einen Bezug zu der nur zwei, drei Kilometer entfernten Klinik Ochsenzoll geben könnte.

Titelfoto: dpa/Federico Gambarini


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