"Leute wie sie gehören ermordet": Sächsische Politikerin in Thüringen attackiert

Nordhausen/Dresden - Heftiger Zwischenfall im Wahlkampf-Endspurt in Thüringen: Sachsens dritte Landtags-Vizepräsidentin Luise Neuhaus-Wartenberg (39, Linke) ist in Nordhausen von zwei Männern (beide 34) beleidigt worden, so die Polizei. Es liege ein politisch motivierter Zwischenfall vor. Die beiden wurden geschnappt.

Mit einem Zimmermannshammer wurde auf auf die Haustürscheibe eingeschlagen. Diese ging zu Bruch.
Mit einem Zimmermannshammer wurde auf auf die Haustürscheibe eingeschlagen. Diese ging zu Bruch.  © Matthias Mitteldorf

Die geschockte Linke-Politikerin zu TAG24: "Ich war im Wahlkampf mit Freunden und Kindern in Nordhausen unterwegs. Da standen zwei Typen an einem Hauseingang. Wir haben weiter Flyer für Bodo Ramelow und die Direktkandidatin Katinka Mitteldorf gesteckt. Als sie merkten, dass wir Linke sind, fingen sie an uns zu beleidigen: 'Leute wie sie gehören ermordet' riefen sie und irgendwas von NSDAP." Dann hätten sie mit einem Zimmermannshammer auf die Haustürscheibe eingedroschen. Warum, wisse sie nicht.

"Es war eine zutiefst bedrohliche Situation. Wir sind mit unseren Kindern zum Auto gerannt, einer hat uns verfolgt und gefilmt. Wir haben dann die Polizei gerufen", so die Politikerin. Sie hatte ihren Sohn (9) dabei, zudem eine Fünf- und eine 11-Jährige.

"Wir haben dann schon diskutiert, ob man noch mit Kindern Wahlkampf machen kann, sie waren total erschrocken. Schade, eigentlich ist die Situation im Wahlkampf in Thüringen sonst ganz anders als in Sachsen, wir wurden nicht angepöbelt."

Linken-Politikerin Luise Neuhaus-Wartenberg wurde von zwei Männern beleidigt.
Linken-Politikerin Luise Neuhaus-Wartenberg wurde von zwei Männern beleidigt.  © imago/Sammy Minkoff

Auch die Partei in Sachsen ist entsetzt: "Diese Morddrohung reiht sich in eine ganze Reihe solcher Vorfälle im Thüringer Landtagswahlkampf ein, die sich sowohl in der digitalen wie analogen Welt abspielen", so ein Linke-Sprecher.

Die Täter seien offenkundig Nazis. "Wir verurteilen diese wie auch alle anderen Morddrohungen entschieden - wohl wissend, dass nicht nur in unserem Land aus Worten in den letzten Jahren durchaus auch Mordtaten geworden sind."

Die Polizei bestätigt die Beleidigungen wegen "Abneigung gegen die vermeintliche Parteizugehörigkeit der Vizepräsidentin und ihres Begleiters" sowie die Zerstörung der Tür.

Bei den Tatverdächtigen handle es sich um zwei polizeibekannte Männer aus Nordhausen, die noch am Donnerstag Nachmittag ermittelt wurden. Einer von ihnen kam, auf richterlichen Beschluss, für mehrere Tage in eine Psychiatrie.

Gegen den zweiten Tatverdächtigen lag ein Haftbefehl vor. Er wurde gleich in den Knast gebracht. Der Staatsschutz ermittelt. Übrigens: Gegen den Jüngeren ermittelt die Polizei nun auch wegen des Verdachtes des Fahrens ohne Fahrerlaubnis und unter Drogeneinfluss. Er war mit einem Auto nach den Beleidigungen geflüchtet.

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