Ost-Brummer, Altpionier: Ist das Sachsens ältestes Autohaus?

Nossen - Seit 1919 gibt es den Familienbetrieb Hertrampf ohne Unterbrechungen - trotz Zweiten Weltkrieges und der DDR. So eine 100-jährige Firmengeschichte gehört fast schon ins Museum. Doch die Hertrampfs haben selber eines, mit 100 Exponaten aus der Automobilgeschichte.

Als nach der Wende der benachbarte Konsum schloss, kauften die Brüder Hertrampf die Halle und richteten ein Oldtimer-Museum ein. Thomas Hertrampf: "Viele Exemplare haben wir mit Original-Komponenten selbst wieder aufgebaut, sonst wäre das edle Blech unerschwinglich." Die Zeiten, in denen man noch in vergessenen Scheunen fündig wurde, sind aber längst vorbei.

Aller 14 Tage geht der Chef persönlich mit dem Putzlappen über seine Lieblinge. Das Museum ist sein großes Hobby, deshalb verlangt er auch keinen Eintritt. Wenn er aber mit seinen Führungen etwa Schulklassen begeistern kann und die leuchtenden Augen sieht, ist ihm das Bezahlung genug.

Info: auto-hertrampf.de

Diktatormobil

So eine Chauffeurs-Limousine aus dem Jahre 1928 war nicht nur damals ein Status-Symbol. Der 4,1-Liter-Motor des Studebaker Dictator leistet 85 PS. "Dieses Auto ist einmalig in Deutschland, vielleicht sogar in Europa", meint Thomas Hertrampf. Damals kauften hiesige Wirtschafts-Bosse eher Mercedes oder Horch, keine teuren Amerikaner.

© Steffen Füssel

Altpionier

Dieser Ford T Roadster ist nunmehr über 100 Jahre alt und läuft trotzdem noch rund. Der Vierzylinder (24 PS) ist ein Pionier der Autogeschichte - schließlich begann mit ihm die Fließbandfertigung in den USA. Wenn man ihn starten will, muss man ihn vorher aber kräftig ankurbeln.

© Steffen Füssel

Soljankaschüssel

Aus einem Unfall-Saporoshez (Bj. 1971) bauten die Hertrampfs 1986 ein Cabrio auf. Der Eigenbau von damals darf nun als Unikat und Oldtimer gelten. Vor drei Jahren wurde ein neuer Motor eingebaut, jetzt schnurrt der Sowjet-Russe wieder durch die Straßen. Aber nur bei Oldtimer-Ausfahrten.

© Steffen Füssel

Entenjäger

Zu Wirtschaftswunderzeiten waren die Autos recht kurz, damit sie der kleine Mann sich auch leisten konnte. Der Renault 4CV, genannt "Cremeschnittchen", war neben dem "Käfer" einer der beliebtesten. Und der Vierzylinder machte Jagd auf die "Enten" (Citroën 2CV), die nur zwei Zylinder hatten.

© Steffen Füssel

Angeberschaukel

Der Austin A 125 von 1947 ist ein äußerst majestätisches Gefährt. Er ist fünf Meter lang, hat vier Liter Hubraum und leistet 125 PS. Als Brite verfügt er natürlich über eine Rechtslenkung. Die Marke erlitt ab den 70ern wegen schlechter Verarbeitung einen Imageschaden - der letzte Austin rollte 1974 vom Band.

© Steffen Füssel

Ost-Brummer

Schon vor dem Serienstart 1952 zog die MZ 350 BK wegen der besonderen Konstruktion internationale Neugier auf sich: Eine Kardanwelle übertrug die Kraft des Zweizylinder-Boxermotors auf das Hinterrad. Die Produktion wurden 1956 eingestellt. Japan produzierte aber bis in die 60er noch eine Kopie.

© Steffen Füssel

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